Der deutſche Kaiſer. 297
Nun kam die Lüge an den Tag, und da Haro alle Ab⸗ zeichen der königlichen Würde, vorzüglich das königliche Siegel, in die Hand bekam, ſo erhielt die Junta dadurch einen tödtlichen Schlag. Die Unzufriedenheit mit dem ungeſchickten Führer in ihrem Heere nahm überhand, ſie ſelbſt ward dadurch mehr und mehr entmuthigt, und die Sache des Volks war ſchon ſo gut wie verloren.
Zwar gelang es Padilla, welcher nun, nachdem Giron eiligſt ſeine Heerführerſtelle niedereolegt und ſich auf ſeine Güter zurückgezogen hatte, an die Spitze des Heers trat, den geſunkenen Muth deſſelben wieder anzufachen, aber es fehlte an Geld, um den Krieg gegen die Regentſchaft mit Nachdruck führen zu können, und der Verluſt der Königin war nicht zu verſchmerzen. Jetzt aber, in dieſer Noth zeigte ſich Maria's großer Geiſt in ſeiner höchſten Glorie. Die glänzenden Weiſſagungen, die ihr gemacht worden, ſtählten ihre Kraft; die heimlichen Unterredungen mit Ineſe ſchnellten ſie empor. Während alle Glieder der Junta den Verluſt der Königin betrauerten, jubelte ſie im Stillen darüber; denn nun war ja auch dieſe Scheinautorität beſeitigt, Giron geſtürzt, und ſie durfte ſich der ſichern Hoffnung hingeben, daß Padilla nach dem erſten bedeutenden Siege über das Heer der Regentſchaft
vom Volke zum König erhoben werden würde. Auf der Seite des Volks war ja die gerechte Sache; es kämpfte für ſeine Freiheit; ſie und ihr Gatte feuerten es an, ſie waren die vergötterten Häupter deſſelben; wie hätte ſie
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