294 Der deutſche Kaiſer.
Zigeunern, um durch ſie die Sache des Königs zu för⸗ dern. Aber Sonaea trug ja auch für den jungen König die heißeſte Liebe; für ihn hätte ſie willig Alles geopfert. Uund ſo geſchah es, daß die Zigeuner als Werber und Boten des Königs in Caſtilien auftraten und von einem Ritterſiz zum andern eilten, um den hohen Adel zu einem feſten Bunde zu vereinigen. Viele, welche ſchwankend geweſen waren, oder ſchon zur Junta als der ſiegreichen Partei ſich neigten, wurden dadurch für den König ge⸗ wonnen. Dazu kam, daß Befehle und Verſprechungen Karls, der bereits zum Kaiſer gekrönt war, aus Deutſch⸗ land anlangten, die den hohen Adel mit ihm ausſöhnten und dadurch ſeine geſunkene Macht aufs Neue befeſtigten. Er ernannte nämlich den Großadmiral von Caſtilien Don Fredrique Henriquez und den Großconnetable Don Inigo de Velasco, zwei der begütertſten und mächtigſten Granden, zu Mitregenten des Kardinals Adrian, und an die Städte ſchrieb er einen höflichen Brief, worin er verſprach, daß ferner kein Ausländer angeſtellt werden ſolle, und daß er auf das ihm von den Deputirten bewilligte freiwillige Geſchenk verzichte. Den Adel forderte er nachdrücklich auf, die Empörung der Städte, falls ſie ſich nicht in Güte zum Ziele legten, mit bewaffneter Macht zu erſticken. Der zwanzigjährige Karl hatte die in der Praris ſtets trefflich bewährte Kunſt ſchon gut begriffen: in der Zeit der Noth dem Volke Alles zu verſprechen, und wenn es mit Schmeicheleien wieder geknechtet war, nichts zu hal⸗


