Der deutſche Kaiſer. 289
und mein Sohn als König in das Land gekommen iſt. Aus den Niederlanden iſt den Spaniern kein Glück ge⸗ kommen, auch mir nicht. Ich gebe Euch aber mein kö⸗ nigliches Wort, daß ich von den Nöthen und Drangſalen, welche die Niederländer meinem Volke bereitet, nichts ge⸗ wußt habe. Deshalb dürft Ihr ſie mir auch nicht zur Laſt legen. Ich will ſofort darauf denken, wie dieſem Uebelſtande ſchnell abgeholfen wird. Ich kenne Euch, Don Juan de Padilla, und ernenne Euch zu meinem erſten Miniſter. Tragt Ihr nun Sorge, daß ſich bald ein ge⸗ heimer Rath hier um mich verſammle, mit welchem ich mich über die nöthigen Maßregeln benehmen kann.“ Padilla dankte ihr ehrſurchtsvoll, und ſie reichte ihm die Hand zum Kuſſe. Seine kühnſten Hoffnungen waren durch die klaren und verſtändigen Aeußerungen der Königin übertroffen, und berauſcht von dieſem Erfolge hatte er nichts Eiligeres zu thun, als der Junta davon Nachricht zu geben und die Häupter derſelben unverzüglich nach Tordeſillas zu beſcheiden. Nach wenigen Tagen zogen dieſe hier ein, während welcher Zeit ſich Padilla in meh⸗ ren Unterredungen mit Donna Juana immermehr über⸗ zeugt hatte, daß ſie vollkommen geiſtesgeſund ſei. Die Königin nahm die Anrede der Junta ſehr gnädig auf, dankte in verſtändigen und wohlwollen Worten und wil⸗ ligte in ihre Bitte, die Regierung des Königreichs ſelbſt zu übernehmen. Der Jubel verbreitete ſich mit dieſer Kunde wie auf Windes Fittichen ſchnell durch das ganze
Ein deutſcher Leinweber. VI. 19


