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Das Maiblümchen / Harriet Stowe, geb. Beecher
Entstehung
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ſeiner Ankunft zu begrüßen. Das Merkwürdigſte dabei iſt, daß, trotzdem ſie oft in heftige Kolliſion mit den Mißbräuchen des amerikaniſchen Geſellſchafts⸗ ſyſtems gekommen ſind, man ihnen nie unlautere Beweggründe zugeſchrieben hat. Die Verleumdung, das gewöhnliche Loos der Reformatoren, ſcheint ſie verſchont zu haben, zum Theil aus Achtung für ihre nicht zu leugnende Un⸗ eigennützigkeit, zum Theil aber auch, weil ſie mit einer den Yankees eigenthüm⸗ lichen Vorſicht nur dann zum Angriff ſchritten, wenn ſie eine mächtige Partei hinter ſich hatten, und endlich vielleicht deshalb, weil die ganze Familie in den

uf einer etwas excentriſchen Geiſtesrichtung ſteht. Als Redner erheben ſie

ſich weit über die Mittelmäßigkeit; ihre Sprache iſt nicht elegant, aber beredt, nit einer lebhaften Verachtung des Gemeinen und einer Empfänglichkeit für den Humor, die ſich in prägnanten Witz, treffender Satyre und in der Hitze der Improviſation nicht ſelten in bitterem Sarkasmus kundgiebt.

Neun von den Beecher's ſind Schriftſteller. Man hat von ihnen Predigten, Reden,Essays, Rezenſionen und Abhandlungen über die mannigfachſten Themata, größtentheils von lokalem oder momentanem Intereſſe. Alle dieſe Schriften zeichnen ſich durch Kraft des Gedankens, ſehr wenige durch künſt⸗ leriſche Vollendung aus. Nähere Erwähnung verdienenſechs Mäßigkeits⸗ Predigten, von Pr. Beecher;die Jungfrau und ihr Sohn, ein poetiſches Werk von Charles Beecher, mit einer Einleitung von Mrs. Stowe; einige Aufſätze über bibliſche Literatur, von Edward Beecher; mehrere Erzählungen von Miß Catherine Beecher;häusliche Oekonomie, von Derſelben;zwölf Vorleſungen an junge Männer, von Henry Ward Beecher;Einleitung zu den Werken der Charlotte Eliſabeth(einer engliſchen religiöſen Schriftſtellerin), von Mrs. Stowe, und eine Sammlung von Erzählungen, unter dem Titel The May Flower',*) von Mrs. Stowe, Verfaſſerin vonUncle Tom's Cabin. Ehe das letztgenannte Buch erſchien, war der Name Mrs. Stowe's kaum ſo allgemein bekannt, als der ihrer Schweſter Catherine, deren unermüdliche An⸗ ſtrengungen zur Beförderung des Unterrichts ihr hohe Achtung erworben hatten. Die Vereinigten Staaten verdanken ihr die Gründung einer überaus nützlichen Aſſociation zur Bildung von Lehrerinnen für denFar Weste, die ſie mit eben ſo viel Takt als Energie zu organiſiren und in gedeihliche Wirk⸗ ſamkeit zu bringen wußte.

Dies iſt die Familie, aus deren Schvos Harriet Beecher hervorgegangen iſt. Man wird uns erlauben, einige Augenblicke bei der ehrwürdigen Geſtalt des Vaters zu verweilen, dem die Ehre gebührt, dem Geiſte der Kinder einen ſo kräftigen Stempel aufgedrückt zu haben. Doktor Lyman Beecher hat jetzt ſein achtundſiebzigſtes Jahr erreicht. Vor der amerikaniſchen Revolution ge⸗ boren, hat er bis ganz kürzlich mit Thätigkeit und Geſchick der Erfüllung von Pflichten obgelegen, die für die meiſten Männer in der Blüthe des Lebens zu ſchwer ſein würden. Er iſt der Sohn eines Schmiedes in Neu⸗England und trieb in ſeiner Jugend das väterliche Gewerbe. Erſt in reiferem Alter ließ er den Amboß im Stich, um ſeine Studien zu Newhafen im Yale⸗Kollegium zu beginnen. Zehn Jahre ſpäter finden wir ihn als Paſtor einer Kirche zu Litch⸗ ſield, wo er als Kanzelredner bald großes Aufſehen machte. Seine ſechs Pee⸗ digten über die Mäßigkeit verbreiteken ſeinen Ruhm durch die ganze Union

4he May Flowere ſo hieß das Fahrzeng, auf. welchem diePilgerväter im Jahre 1620 nach Amerika ſchifften, um dort die erſte Niederlaſſung in der Bai von Ply⸗ mouth zu gründen.