322 Der König von Spanien.
perger ein ſchön gebundenes Exemplar des„Theuerdank,“ einer der Meiſter aber auf gleiche Weiſe einen Meiſterbrief für den Kaiſer, der ihnen die Bitte gewährt hatte, ſich von ihnen zum Meiſter des Geſangs ernennen zu laſſen. Marimilian empfing die ihm werthen reichsſtädtiſchen Bür⸗ ger mit gewohnter Leutſeligkeit. Pfinzing hielt eine kurze Anſprache an den Kaiſer, indem ihm das Buch überreicht wurde. In Maximilians gealterten Zügen entglomm ein flüchtiger Jugendſchimmer, und ſein Auge wurde feucht, als er das Buch, die Beſchreibung ſeiner ſchönſten Tage, zu Handen nahm und die Blätter deſſelben durch die Fin⸗ ger gleiten ließ. Mit ſichtlichem Wohlgefallen betrachtete er die ſchönen Bilder, in welchen er ſich ſtets erkannte. Erinnerung und Poeſie hauchten ihren duftenden Kuß auf ſeine Stirn; ſein Herz wallte über von freudiger Weh⸗ muth, und dankend reichte er den Männern die Hand, die ihm das Glück dieſer Stunde bereitet hatten.
Nun trat ein junger Meiſter von angenehmer wohl⸗ gebildeter Geſtalt aus den Nürnbergern hervor, und redete den Kaiſer in wahlgeſetzten Reimen an. Er wünſchte der Majeſtät Glück zu dieſem Tage, an welchen er das ſchöne Gedicht ſeines Lebens nach ſtrenger Tabulatur“) in der Hand halte. Er erinnerte daran, daß der hochedle Ritter Theuerdank und ſeine ſchöne Dame Königin Ehrenreich un⸗
²) So wurden die proſodiſchen Regeln genannt, nach wel⸗ chen, gleichſam zu Zunftgeſetzen erhoben, ein Gedicht gemacht ſein mußte.„


