Der König von Spanien. 9
net und um die Hand der Prinzeſſin Renate, hinterlaſſe⸗ nen Tochter des Königs Ludwig angehalten. Aber auch dieſer neue Verſuch, den Karl ohne Wiſſen ſeines kaiſer⸗ lichen Großvaters gemacht, Oeſtreich und Frankreich aus⸗ zuſöhnen, ſcheiterte an den ſpätern Ereigniſſen. An dem Feſttage aber lebte Karl noch in der Hoffnung.
Die meiſten von den noch lebenden zwanzig Rittern des Vließes waren auf des jungen Großmeiſters Einla⸗ dung nach Brüſſel gekommen, eben ſo viele von denen, welche zu neuen Rittern beſtimmt waren, faſt lauter Nie⸗ derländer und Spanier. Die Erzherzogin Margaretha kam mit ihrer Nichte, der Infantin Eleonore von Löwen, und die Gräfin Cardona begleitete ſie. Die Verſammlung wurde von Tag zu Tag zahlreicher, und es ſchien, als ob das Kapitel das glänzendſte von allen noch abgehaltenen werden würde.
Seit König Philipps Tode waren von Zeit zu Zeit vornehme, mit dem Regiment des Königs Ferdinand nicht zufriedene Caſtilier gern geſehene Gäſte am burgundiſchen Hofe zu Brüſſel geweſen. Ferdinand und Iſabella hat⸗ ten mit Hülfe des kräftigen und ſchlauen Cardinal Kime⸗ nes die ſtolze Macht und den trotzigen Uebermuth der caſtiliſchen Adelsariſtokratie gebrochen und aus den unab⸗ hängigen Ricos Hombres und Hidalgos, die unter dem prahleriſchen Namen der Grandes fürſtliche Vorrechte ge⸗ noſſen und den König nur als einen ihres Gleichen be⸗ trachteten, einen abhängigen und geſchmeidigen Hofadel zu


