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war, Sonaca's Hand feſt und flüſterte ihr zu:„In deinen Armen, ſüßes Kind, ſterb' ich auch gern.“
Antonio und Karracha wachten an ſeinem Lager. Sonaca war neben ihm eingeſchlafen, und Raimund hatte ſich endlich entfernt, um ihn vor Tagesanbruch in einer Sänfte abzuholen.
In der Abenddämmerung deſſelben Tages ſtanden zwei Männergeſtalten vor der Pforte des Bernhardinerkloſters. Ein forſchendes Auge hätte aber leicht wahrnehmen kön⸗ nen, daß ihnen das männliche Gebahren und der männ⸗ liche Muth mangele. Auch ſaßen ihnen die Kleider wun⸗ derlich genug, und in ihren Geſichtern hatte ein Scheer⸗ meſſer nichts zu thun.— Als die Glocke erſchallt war, flüſterte Maria ihrer Mutter— denn dieſe beiden waren es— mit bebender Stimme zu und legte die zitternde Hand auf den Arm derſelben:„Ach, Mütterlein, mir will das Herz zerſpringen vor Angſt und Bangigkeit.“
„Beruhige dich, mein Kind! Gleich wirſt du ihn ſehen, nach dem dein Herz verlangt.“
Der Bruder Pförtner öffnete.
„Wir wollen zu dem kranken Ritter Süderland.“—
„Die Brüder Ciſtercienſer haben ihn dieſen Morgen abgeholt, um ihn in ihren Orden aufzunehmen und die Pforte hat ſich für immer hinter ihm geſchloſſen.“
Maria ſank mit einem leiſen Schrei in die Arme der Gräfin. Von der Burg aber ertönten Feſtſchüſſe und be⸗
zahlter Jubel zu Ehren der vermählten Königskinder.
Der Herzog von Burgund und Niederland.


