Der Herzog von Burgund und Niederland. 283
leiſe:„Dafür verlang' ich zweierlei. Erſtlich Euere und Euerer Leute Verſchwiegenheit. Ich will nicht, daß meine junge Frau, noch meine übrigen Anverwandten erfahren, daß ich Euch dieſen Beſuch gemacht.“—
„Nicht ſie, nicht Andre. Niemand auf der Welt!“ verſetzte Karrachao.„O Herr, ihr kennt die Zigeuner nicht! Die größten Geheimniſſe liegen bei uns begraben. Ihr dürft Berge auf uns bauen. Vertraut Euch mir an in jeder Sache, und Ihr werdet mich erprobt finden.“—
„Dann ſorgt für einen guten Imbiß; denn wir wollen mit Euch zu Nacht ſpeiſen. Wir ſind des Hoflebens müd und ſatt und wollen auch einmal eine fröhliche Nacht haben.“
„Es ſoll Alles nach Euerm Befehl geſchehen.“
Bald erklangen die wilden Töne des Cymbals mit dem jauchzenden Geſange der Fiedel vermiſcht, und da⸗ zwiſchen die Becher. Vivian wirbelte mit Sonaca im lu⸗ ſtigen Tanze, Raimund ſchwenkte die ſchöne Mutter, und eh' eine Stunde verging, hatten es Zarvya's reizende Augen ihm angethan. Zigeunerburſche und Mädchen dre⸗ heten ſich in ſteigender Luſt, und Karracha ſchaffte am kni⸗ ſternden Küchenfeuer.
Mitten in dieſer brauſenden Bewegung trat plötzlich Antonio Cebes oder Pepindorio, der Vater, heimkehrend aus dem Bernhardinerkloſter, ein und begrüßte die luſtigen Gäſte mit ſpaniſcher Grandezza. Raimund Fugger zog ein beſtürztes, verlegenes Geſicht über dieſe unerwartete


