Der Herzog von Burgund und Niederland. 15
er ewig mit andern Königen. Bei uns aber geht Alles darunter und drüber, ſo daß ſelbſt Meiſter Jakob, der doch ſonſt den Kaiſer ſchier anbetet, wie die Kinder Js⸗ rael das güldne Kalb, misbilligend den Kopf ſchüttelt.“ „Es kann wohl ſein, daß Ihr nicht gar weit von der Wahrheit vorbei geſchoſſen ſeid,“ verſetzte der Junker mit einem feinen Lächeln,„doch würde ich das keinem Men⸗ ſchen weiter als nur Euch eingeſtehen, da ich Euch wie eine Mutter liebe und verehre.— Kaiſer Maximilian blieb alſo der Bundesgenoſſe des Königs von Frankreich.“ „Herr, wie lange?“ unterbrach ihn die Frau mit komiſchem Ernſt, indem ſie die fleiſchigen Hände faltete und den Blick nach oben richtete.„Wir wiſſen ſchon, was wir von des Kaiſers Bundesgenoſſenſchaft zu halten haben. Es gibt keinen ſchwächeren, falſcheren und unbe⸗ ſtändigeren Bundesgenoſſen, als ihn. Er iſt wie die ho⸗ hen Gletſcher, die nur in der Morgenſonne glühen.“— „Das paßt nicht auf ihn allein, Frau Sibylle. Es iſt die Eigenſchaft aller Könige unſerer Zeit. Und der gerühmte und vergötterte Herr Ludwig iſt in dieſer Be⸗ ziehung noch um vieles ſchlimmer, als unſer Kaiſer. Je⸗ denfalls haben ſie einander nichts vorzuwerfen. Ich weiß nicht, wer von Beiden dem Andern das Wort mehr und treuloſer gebrochen hat. Doch würde die Treue des Kai⸗ ſers diesmal feſter geweſen ſein, als die des Königs ge⸗ gen ihn bei frühern Gelegenheiten, wenn Ludwig wirklich ſeinen drei Gegnern obgelegen und ſich zum Herrn und


