Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Reise nach Spanien : 2. Theil (1846)
Entstehung
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nach Spanien. 7

hielt ſich der junge König Karl VIII. für den recht⸗ mäßigen Prätendenten von Neapel.

Alfons von Arragonien, auf ſo wenig rechtliche Weiſe im Beſitz des Throns von Neapel und Sieilien, ver⸗ erbte denſelben, da er keine eheliche Nachkommenſchaft hatte, auf ſeinen natürlichen Sdhn Ferdinand 1458. Wenn das Haus Anjou nun ſchon guten Grund hatte, den Vater als unrechtmäßigen Beſitzer darzuſtellen und zu bekriegen, ſo konnte es den unehelichen Sohn um ſo härter angreifen. Und König Karl VIII. von Frank⸗ reich glaubte ſich in ſeinem guten Rechte, als er um 1490 den Gedanken faßte, Neapel zu erobern und den unrechtmäßigen König Ferdinand zu vertreiben. Die⸗ ſen abenteuerlichen Gedanken verdankte er dem Her⸗ zog Ludwig Sforza, von ſeinem Sinnbilde, einem Maul⸗ beerbaume, il Moro genannt. Ludwig, der ſchlaueſte und ränkevollſte Fürſt ſeiner Zeit, von ſeiner eignen Klugheit ſehr eingenommen(weshalb er ſich auch gern derMaulbeerbaum nennen ließ, der erſt blüht, wenn kein Nachtfroſt mehr zu fürchten iſt, aber dann ſchnell und üppig blüht und in kurzer Zeit reife Früchte bringt), Ludwig war der zweite Sohn jenes kühnen Condottiere Francesco Sforza, der, nichts weiter als der käufliche Anführer eines von ihm beſoldeten wilden Haufens Soldaten(meiſt Räuber), den letzten Herzog von Mai⸗ land aus dem Hauſe Visconti Philipp Maria vermochte, ihm ſeine natürliche Tochter Blanca Maria zur Ge⸗