von Antwerpen. 331
Herzen herbeiwünſchte. So war er ein gänzlich um⸗ gewandelter Mann geworden. Seinem Leben war ja Blüte und Frucht geraubt und er fühlte, daß er die Schande nicht überleben könne, welche die von ihm ſo hochgehaltene Frau über ihn gebracht hatte. Die Kin⸗ der ſeiner erſten Ehe waren, auf die Nachricht ſeiner ernſtlichen Erkrankung, nach Brüſſel geeilt und hatten ihn dann, ſeinem Wunſche gemäß, nach Antwerpen ge⸗ bracht, damit er, wie er begehrte, in ſeinem Hauſe ſterben könne. Hier hatten ſie ihn denn vermocht, daß er die ihnen verhaßte Stiefmutter in einer letzten Ver⸗ fügung von jeder Miterbſchaft als eine Ehebrecherin, die Gottes Gericht ereilt habe, ausſchloß. Niemand war ihnen dabei behülflicher geweſen, als der Archi⸗ diakonus Pater Innocenz, welcher ein Verdammungs⸗ urtheil über das andere auf die abweſende Sünderin ſchleuderte und das Herz des leidenden Kranken auf's äußerſte gegen ſie erbitterte. Obgleich nun Herrn Pe⸗ ter kein Geheimniß geblieben war, aus welchen Grün⸗ den die Erzherzogin⸗Infantin ſich auf eine ſo grau⸗ ſame Weiſe an ſeiner Frau vergriffen hatte, ſo blieb er doch dabei, daß ſeine ſelige erſte Frau in jener Nacht nach dem dem Erzherzog gegebenen Banket ihm durch ihre Erſcheinung ſeinen nahen Tod angezeigt habe, und weder Pater Innocenz, noch der ſchwarze Leibdiener Rony fanden es ihrem Intereſſe angemeſſen, ihn dieſem Irrthum zu entreißen. Jakob Fugger be⸗
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