— 551—
ſchaften gehört, die man Kabbahla nennt? Faſt fürchte ich, Ihr wißt nichts davon. Es ſteht man⸗ ches davon im Talmud, aber nicht Alles. PViel Tieferes liegt in ihr ſelbſt vergraben, was noch kei⸗ ner unſerer ehrwürdigen Väter erſchöpft, was aber vor den Propheten des alten Volks ſtand ein leuch⸗ tender Springbrunnen ſüßen Lebenswaſſers, aus dem ſie allem Volke ſpendeten. Aus dieſem Brun⸗ nen habe ich auch geſchöpft, er gießt ſeine Licht⸗ quelle über mich und erfriſcht mich, er fließt in meine Hand, daß ich damit Israel waſche und erquicke. Ihr, weiſer Mann, tappt im Dunkeln, habt den Lebensbrunnen nie gefunden, werdet ihn nie finden, und wenn er Euch in die Hand flöſſe, Ihr würdet ſeine göttliche Kraft nicht erkennen, ſondern ihn auf die Straße verſchütten, wie gemeines Waſſer.“
Nach dieſen Worten erhob ſich der Jüngling raſch und ging aus der Halle mit ſtolzen, ehrfurcht⸗ gebietenden Schritten, wie ein junger, ſich ſeiner Würde wohl bewußter König. Ihm folgte unver⸗ holen der Beifall der meiſten Anweſenden, und nur die gelehrten Rabbinen flüſterten feindliche Worte zuſammen. Auch David Roſanes ſah voll tiefen


