Teil eines Werkes 
2. Theil (1836) Des Sternes Wachstum, oder Der Märtyrer / von Ludwig Storch
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denſtrahlende ſehnſuchtbefriedigte Antlitz einer jungen Neuvermählten zeigte, ſondern ihrer Umgebung bleiche, gramentſtellte Züge, ein tieftrauerndes, von ſchmerz⸗ lichen Thränen erfülltes Auge zu verbergen ſuchte. Und doch ahnete Niemand den wahren Grund des bittern furchtbaren Seelenwehs, das ſich nur unvoll kommen in Thamar's ſchönem Geſicht abſpiegelte, doch kam keinem Menſchen der Gedanke bei, daß die Reizende, die man jetzt Sabbathai's glückliche Gat⸗ tin nannte der Name klang ihr wie hölliſcher Hohn in der Seele noch eine unberührte Jung⸗ frau ſei. Denn wie in der erſten Nacht hatte ſie ihr Vermählter jede der folgenden Nächte, wie von einem böſen Geiſte getrieben, verlaſſen und war hin⸗ aus ins Freie geſchweift. Die einzige Vertraute ihres Kummers, das einzige Herz, an welches ſie das ihrige jammernd anlehnen konnte, die einzige Tröſterin war Mihurmah, die immer noch Alles zu vermitteln hoffte. Sie wußte nämlich durch Eliah Zewi, der ſie unabweißbar mit Anträgen ſeiner Liebe beſtürmte, daß Sabbathai jede Nacht mit dem Abgeſandten des reichen Lisbona zu Gaza an den Arzt Villegas, ſowie mit dem Letzteren, zubringe, daß