— 344—
verſprachſt mir, ich ſolle hören, was ich oft in mei⸗ nen ſeligen Stunden ſehe. Aber meine Geſichte ver⸗ laſſen mich, ich höre nichts, und du biſt wahnſinng. Führe mich zurück! Wo bin ich? Du verläßt mich! Weh mir!“
Während die blinde Hannah verzweiflungsvoll jammerte, fuhr Rahel in immer lautern Tönen fort, unbeküͤmmert um ihre hülfloſe Begleiterin:„Ach, ich liebte ihn, wie noch kein Weib einen Mann, denn ich wußte, daß ich ſeine Königin war. Hatte es mir doch der Engelfürſt Gabriel offenbart in einer heiligen Nacht. Du ſollſt herrſchen über Israel und deine Kinder Könige ſein, ſprach er zu mir. Weh mir! Die Flamme meiner unbändigen Liebe hat mich verzehrt, ich bin verſtoßen, die Krone des Meſſias zertrümmert; Israel, du bleibſt in ewiger Schmach. O Sabbathai, warum haſt du meiner Liebe ſo vergolten?“
Der, deſſen Name zuletzt dem ſchönen Munde der Jungfrau entſchlüpfte, war, von dem Augenblick an, wo er ſie geſehen und erkannt von einer immer heftigern Aufregung ergriffen worden. Sein gierig glühendes Auge verſchlang ſie, ſeine Arme breiteten
———


