Teil eines Werkes 
1. Theil (1836) Des Sternes Aufgang, oder Der Lehrer der Kabbalah / von Ludwig Storch
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mit einer goldnen Agraffe zuſammengehalten, ließ das leichte Oberkleid die ganze Pracht des Unter⸗ kleides ſehen, und endete in einer langen Schleppe, die der ſchlanken Geſtalt des Mädchens ein majeſtä⸗ tiſches Anſehen gab. Die zierlichen durchbrochenen Schuhe, die, weit ausgeſchnitten und mit Bändern an Fuß und Bein befeſtigt, Sandalen glichen, zeig⸗ ten den kleinſten und niedlichſten Fuß in ſeiner vor⸗ theilhaften Geſtaltung. Ihm entſprach die kleine weiße Hand, an deren Fingern die theuerſten und koſtbarſten Ringe mit Brillanten glänzten. In der einen trug ſie einen kleinen runden, mit Edelſteinen garnirten Spiegel, in der andern einen von bunten prachtfarbigen Federn zierlich zuſammen geſetzten Wedel, deſſen hölzerner Griff ſtark vergoldet war. Thamar war von Freundinnen und Geſpielinnen umgeben, die, wenn auch minder reizend von Geſtalt und weniger koſtbar gekleidet, doch ſchön zu nennen waren, und in ihrem Putze viel Pracht und Reich⸗ thum zur Schau legten, und jede von ihnen mußte, wenn ihr Thamar nicht zur Seite ſtand, ein Män⸗ nerherz gewinnen. Die ſchönſte unter ihnen, Tha⸗ mar's innigſte Freundin, war Rahel, die einzige