„Sie haben keine Mutter mehr? frug er nach einigen Pauſen, in denen ſeine Augen ſich ergotzt hatten.
„Nein; ich verlor ſie ſchon vor ſieben Jahren. Sie liegt im Doͤrfchen begraben, gleich an der Kir⸗ che. Ich war damals zehn Jahre alt, erinnere mich aber ihrer ſanften Zuge noch ſehr lebhaft, gleich⸗ ſam, als ſei ſie erſt vor einigen Tagen geſchieden. Sie ſtarb an einem hitzigen Nervenfieber. Als ſie ſich dem Tode nahe fuͤhlte, rief ſie mich und mei⸗ nen Vater an's Bett und ſprach lange und ruͤhrend zu uns.„Sei Du ihr Vater⸗ ſagte ſie zu ihm, wie ich ihr eine Mutter war, und Du, indem ſie ſegnend ihre Hände auf mein Haupt legte, werde ei⸗ ne gute Tochter. Habe ſtets Gott vor Augeu und im Herzen, und huͤte Dich, daß Du niemals ſuͤndi⸗ geſt.“ Nach dieſen Worten ſchlummerte ſie ſanft ein, um nie wieder zu erwachen. Der Eindruck, den ihr Tod auf mich machte, iſt unausloſchlich; ſie ſteht mir immer vor der Seele mit ihrem bleichen, ſanften Leidensgeſicht. O⸗ ſie war gut, himmliſch gut, und ich hätte ihrer Lehren und Ermahnungen noch lange, lange bedurft.“ Sie trocknete ſich ſchnell die Thraͤnen ab, die unwillkuͤhrlich ihren Ku⸗ gen entrollten und bat dann mit halb lächelndem, halb noch vom Weinen getruͤbten Geſicht um Ver⸗ zeihung, ihn mit einer Krankengeſchichte unterhal⸗ ten zu haben.
Eduard hatte mit Entzuͤcken den Silbertonen


