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ten noch ſein eignes Lager mit einigen Kindern unter 'ner wollnen Decke; ſeitdem aber der liebe Gott die Familie wieder um einen Kopf vermehrt hat, wie er's bei den armen Leuten, die er lieb hat, ſo gern thut, da haben wir Alles in einen Winkel zuſammenge⸗ ſchleppt, damit das arme Weib die Winterkälte we⸗ nigſtens nicht allzuſehr fühle. Wir Andern aber lie⸗ gen auf dem Fußboden während der Zeit in den Kleidern dicht nebeneinander. Die Kleinſten wickle ich freilich, das wirſt Du mir ſchon glauben, Gevatter, in einen alten Mantel ein. Aber genug hört' ich, wie die armen Würmer, die ſich feſt umſchlungen hielten, um ſich aneinander zu wärmen, vor Kälte mit den Zähnen klapperten, wie der Storch im Som⸗ mer auf dem Kirchendach, wenn mich ſelbſt die Sorge, woher ich meiner Sarah am nächſten Morgen eine warme Suppe verſchaffen könnte, die ganze Nacht nicht ſchlafen ließ.“
„Haſt ja doch eine Kuh, Mann,“ ſagte der Du⸗ bliner, der ihn mitleidig anhörte.
„Gehabt, Gevatter Honigherz!“ entgegnete der Athloner.„Sie gab ſchon nicht viel Milch mehr, weil das Futter zu Ende ging. Wenn der Milch⸗ zehnten davon war, blieb kaum ſoviel, als zum Früh⸗ ſtück übrig. Die Abgaben war ich ſchuldig geblieben während des Wochenbetts. Denn wovon bezahlen, wenn man nicht einmal den Hunger ſtillen kann! Da haben ſie endlich die Gerichtsdiener geholt. Na! glaub's nur, Gevatter, ſie werden nicht viel mehr d'raus löſen als für Haut und Knochen,“ ſetzte er trübſelig lächelnd hinzu.
„Ha! welch eine feige Seele ſtöhnt denn da Kla⸗ gelieder bei dem ſchönen Glanz der Lichter, bei dem Prunk und Staat, der uns hier ſo luſtig umgiebt?
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