Teil eines Werkes 
4. Th., 2. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

204

ters faͤllt wohl auch ein Baͤr oder ein Wolf ihre Heer⸗ den an, und wir hoͤrten ſehr deutlich das Geſchrei der Maͤnner und das Geheul der Hunde, die ſie ver⸗ ſcheuchten.

Wir begegneten auch zwei Bauern, welche Schafe und Ziegen huͤteten, und einem jungen Maͤdchen, die eine Kuͤrbißflaſche voll Milch trug. Sie waren alle drei ſehr klein, und das Maͤdchen beſonders ſehr baͤßlich. Sie trug einen weiten Pberrock von braunem Tuche, der ihr bis auf die Knie reichte, und darun⸗ ter ein leinenes Hemd, welches ihr nur die Haͤlfte der Beine bedeckte. Maͤnner und Weiber tragen ihre Unterkleider laͤnger, als die andern Kleider, die ſie daruͤber oder datunter ziehen; dabei umwickeln ſie mit Flanell ihre Beine, und haben kein anderes Schuh⸗ werk, als lederne, ganz leicht mit Riemen an den Zehen und um die Knorren befeſtigte Sandalen. Einer von den Maͤnnern war ſehr blaß, und hatte langes, dichtes, ſchwarzes Haar, welches über ſein Geſicht und ſeine Schultern herabſiel; der andere batte einen ungeheuren Kropf am Halſe. Ihre Huͤt⸗ ten lagen auf dem Gipfel des Berges. Sie bewohn⸗ ten dieſelben im Sommer, und ietzt waren ſie in das Thal herab gekommen, weil der Schnee ihre Woh⸗ nungen bedeckt hatte. Sie ſprachen alle drei eine Art Latein. Mein Waͤchter ſagte zu ihnen: Quitas eapri et oves habets?(Wie viel habt ihr Ziegen und Scha⸗ fe ²) und ſie antworteten hierauf; Sun inuumerabili.