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wir die Pferde und Bedeckung wechſelten. Zwiſchen dieſem und dem naͤchſten Ruheplatz ging es mit unſe⸗ rer Reiſe wegen der vielen Auf⸗ und Abwege uͤber mehrere kleine Berge langſamer. Das große Thal, in welchem wir noch immer unſere Reiſe fortſetzten, behielt ſeinen laͤndlichen Charakter ſo lange wir den Kruͤmmungen des Flußes folgten. Der ſchone Schein des Mondes erleuchtete das Thal, die Berge und den Fluß; ſie waren ſo groß, ſo ſtill, und ruhten in einem ſo ſanften Lichte! Mit dem weiteren Vorruͤcken der Nacht ſellte ſich ein ſtrenger, aber glaͤnzender Froßt ein, und das romantiſche Schauſpiel, welches uns um⸗ gab, wurde durch die Veraͤnderung nur noch belebter. In verſchiedenen Entfernungen erſchienen unter Baͤu⸗ men oder unter uͤberhaͤngenden Felſen zahlreiche Feuer, und um dieſe Koſaken mit Georgiern und Verg⸗Be⸗ wohnern vermiſcht, deren rohe, athletiſche Geſtalten, hervorſtechende Geſichts⸗Zuͤge und wilde Kriegstrach⸗ ten, Gemaͤlde von der wildeſten Art bildeten.
20. In der Quarantaine, in dem Brte Anna⸗ mur, wurden uns elende Huͤtten mit ſchmutzigen Stuben zum Nachtquartiere angewwieſen, Der Fuß⸗ boden war die bloße, feuchte Erde; die Fenſter waren weder mit Glas, noch mit Laͤden verſehen. Der Fuß⸗ boden war an vielen Stellen mit Pilzen uͤberwach⸗ ſen. Wegen Abweſenheit eines Befehlshabers mußten wir uns mit unſeren elenden Quartieren ſo gut, als moglich behelfen. Wir verſopften die offenen Fenſter


