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laſſen. Ein ihrem Herzen verwandtes Gemüth wohnte nicht weit von ihr. Neue Kraft, alle Widerwärtig⸗ keiten zu ertragen, da ſie ja doch nur Prüfungen des himmliſchen Vaters, erwachte in ihr. Als folgſames Kind, und nicht als unzufriedenes oder trauriges, wollte ſie ſich in ihr Geſchick fügen.
Aber wer war der unbekannte Sänger, dem ſie ſich für ſein Lied, das er in einer ſchweren Stunde ihres Lebens tröſtend geſungen, zu innigſtem Danke verpflichtet fühlte? Sie lauſchte noch eine geraume Zeit, ob die Harmonika von neuem ertönen werde, aber alles blieb ſtill; wahrſcheinlich war das Lied das Abendgebet des frommen Sängers geweſen. Auch der ſchwache Lichtſchimmer war erloſchen; die Nacht⸗ luft ſtrich über die Banmwipfel; in der Ferne tönte
der Wächterruf. Marie machte leiſe das Fenſter zu und ſuchte ihr Lager. Sie faltete die Hände und
beſchloß ihr Tagewerk mit dem frommen Abend⸗ ſpruche:
„Bedeckt mit Deinem Segen Eil' ich der Ruh entgegen—
Schlummre ſanft, Du Gute! Mögen Engel Deine Träume durchziehen, Dich ſtärken und Dein


