Teil eines Werkes 
18. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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Auch der wackre Runſchid war viel zu edelſinnig, als daß er ſeinem Freunde zu ſeiner gelungenen Be⸗ freiung nicht von Herzen hätte Glück wünſchen ſollen, obſchon auch er wie Ismael die Heimreiſe Haſſan's aufrichtig bedauerte.

Wohlan! ſprach er,es hat ſo ſein ſollen und der Wille Allah's geſchehe! Wir wollen uns aber die letzten Stunden des Beiſammenſeins nicht durch thö⸗ richten Trübſinn verbittern. Zum Letztenmale athmet Ihr heute die Luft Afghaniſtans, zum Letztenmale weilt Euer Fuß auf ſeinem Boden; ſo mögen auch ſeine edelſten Früchte zum Lebewohl Euern Gaumen letzen.

Runſchid erhob ſich bei dieſen Worten und zog den Vorhang, der vor einer niſchenartigen Marmor⸗ halle herabfloß. Da leuchteten und dufteten in gold⸗ nen Schalen die koſtbarſten Früchte Afghaniſtans: Aprikoſen von Kabul, auf vierzehn verſchiedene Arten zubereitet; Granatäpfel von Ghizin, Feigen von Kan⸗ dahar und Melonen von Peſchawer.

Haſſan und Olivia ſo wie Ismael, welche ſelbi⸗ gen Tag eine geraume Strecke Wegs zu Fuß zurück⸗ gelegt hatten und deshalb nicht ohne Eßluſt waren, ließen ſich's trefflich ſchmecken und erfreuten ſich dabei der wunderherrlichen Abendlandſchaft, die nach und nach immer tiefer in die Schatten der Nacht hinab⸗ ſank. Schon ruhte tiefe Dunkelheit in Thälern und Schluchten, aber noch immer glühten die Gipfel des Himalaya in unſterblichem Glanze.

Plötzlich hallte ein Kanonenſchuß von den Wällen Attoks herüber. Haſſan blickte befremdet auf und Olivia klammerte ſich ängſtlich an den Arm des Va⸗ ters, denn ſie fürchtete nicht anders, als an der Grenze Afghaniſtans von dem Fürſten von Kabul noch auf⸗ gehalten zu werden und hielt den Donner für ein