1⁴
„O ja, recht hübſch.“
„Natürlich, Pauline heißt die holdſelige Schrei⸗ berin; alle Paulinen ſind wunderhübſch; ich habe noch keine häßliche gekannt. Und Maria! O engel⸗ gleicher Name—
„Maria möcht' ich Dich begrüßen Mein Herz hat ſtets Dich ſo genannt!“
„Armer Wilhelm Müller,“ fuhr der Enthuſiaſt in Wehmuth übergehend fort,„er hat dieſen ſchönen Frühlingstag nicht erlebt. Aber er ſoll leben. Komm Freund, wir bringen ihm einen Becher in Orlando's geiſterreicher Tiefe. Wir haben es ja lange nicht daran gewendet. Wein, Freude und dazwiſchen ein Klang der Wehmuth und Erinnerung an heimgegan⸗ gene Lieben— wir lieben es ja Beide.“
Johannes ließ ſich das heute nicht zwei Mal ſa⸗ gen, und wenn es dem Leſer gefällig, ſo klettern wir ein wenig mit hinab zu Orlandv.
3.
Orlando's weltberühmter Weinkeller beſtand aus zwei Abtheilungen, wovon die erſtere das Forum hieß. Hier war es wohnlich, hell und gemüthlich. Hier ſaßen an den langen polirten und zierlich mit Wachsleinwand überzogenen Tiſchen die Advokaten, die in einem Viertelſtündchen einen Termin in dem nahegelegenen Rathhaus abzuwarten hatten; die Me⸗ diziner, die auf ihren Krankenbeſuchen zufällig an der verführeriſchen Kelleröffnung vorbeigeführt wur⸗ den; die Chirurgen, die ſich Courage tranken zur be⸗ vorſtehenden Operation, und Candidaten, die daſſelbe thaten, wegen des heutigen Examen; Schauſpieler,


