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Es war eine dunkle ſternenloſe Nacht. Unheimlich pfiff der Wind über die Ebene von Villeneuve her⸗ über. Der Kaiſer hatte ſich tief in ſeinen Mantel ge⸗ hüllt. Die getreuen Diener gingen wachſam auf und nieder. Ein tiefes Schweigen herrſchte. An jedem Augenblicke hing das Geſchick einer Welt.
Morgens vier Uhr kehrte Caulaincourt zurück. Es war Alles verloren. Die Kapitulation bereits vor zwei Stunden unterzeichnet. Die Verbündeten ſollten den nächſten Morgen in Paris einziehen.
Krampfhaft erfaßte bei dieſer erſchütternden Nach⸗ richt Napoleon die Hand des Herzogs.
„Caulaincourt,“ ſprach er,„kehren Sie wieder zurück. Suchen Sie um jeden Preis Alexander zu ſprechen. Eilen Sie, Caulaincvurt, fort, fort!“
„Sire,“ erwiedert der Herzog,„ich war vergebens bemüht, den Kaiſer von Rußland zu ſprechen. Man mißtraute mir. Die Herrſcher waren mit Vorberei⸗ tungen zu ihrem Einzuge nach Paris beſchäftigt. Dieſe Gründe wenigſtens führte man an, um der Weigerung, mich vor den Kaiſer zu laſſen, einen Schein von Grund zu geben.“
„Kehren Sie um— ich ſetze nur noch auf Sie eine Hoffnung!“
„Wohlan! Ich gehe, Sir,“ rief der Herzog von Vicenza.„Todt oder lebendig dringe ich in Paris ein und ſpreche mit Alexander.“
Im Angenblicke ſprengte Caulaincourt wieder da⸗ von, daß die Funken ſtoben. Lange blickte Napoleon ſeinem dahinfliegenden Lieblinge nach. Dann kehrte er langſam und ſchweigend nach Fontainebleau zurück.
Ende des erſten Bandes.
Druck von Alexander Wiede in Leipzig.


