28
tet ſeine Aufmerkſamkeit wieder auf die Karte von Deutſchland.
„Unſere Communicationslinie mit Frankreich,“ ſpricht er,„ſtützt ſich auf Erfurt. Dieſe Stadt, wo ſich die Hauptniederlage unſerer Vorräthe befindet, wird von Tag zu Tag wichtiger. Auch ihre Cita⸗ dellen müſſen in completten Vertheidigungsſtand geſetzt werden.“
Der Kaiſer enthüllte immer mehr den Plan, ſeine Macht an der Elbe zu concentriren und ſich hier in Abwartung der Ereigniſſe zu halten.
Marſchall Soult ſtand etwas ſeitwärts vom Kar⸗ tentiſche und war bei den letztern Expectorationen Na⸗ polevn's ſichtbar düſterer geworden. Auch Berthier beobachtete ein beharrliches Stillſchweigen, welches weit mehr auf Mißbilligung der Pläne des Kaiſers als auf Beifall deutete.
Napoleon blickte forſchend die beiden Fürſten an.
„Sie ſcheinen nicht meiner Meinung?“ frug er. „Herr Marſchall von Dalmatien, was haben Sie da⸗ gegen einzuwenden?“
„Sire,“ antwortete Soult mit beſcheidener Feſtig⸗ keit,„die Stellung an der Elbe erſcheint mir etwas gewagt. Falls Oeſterreich den Verbündeten die Aus⸗ gänge von Böhmen öffnet, kann unſere Armee ſehr leicht umgangen und im Rücken genommen werden.“
„Wie?“ fuhr Napoleon etwas unmuthig auf, „Sie beſorgen, ich möchte mich im Herzen von Deutſch⸗ land zu ſehr bloßſtellen? War ich bei Marengo, Au⸗ ſterliz, Wagram nicht in viel gewagterer Stellung? Von Arcole bis zum heutigen Tage waren alle meine Schritte auf dieſer Laufbahn Kühnheiten dieſer Art und ich habe hierin nur die ausgezeichnetſten Muſter befolgt. Beſchäftigten ſich Alexander, Hannibal, Cä⸗.


