Teil eines Werkes 
6. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 1. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

Orden es eigentlich angehörte. Der Herr Lieutnant galt für eine ſehr unbedeutende Perſon. Er hatte das Eigenthümliche, daß er gern von ſeinen Kriegs⸗ und Heldenthaten erzählte, ungeheuer log(wo Kappler aus angeborner Menſchenfreundlichkeit allemal den allei⸗ nigen Gläubigen abgab), ferner als ein leidenſchaft⸗ licher Jäger bekannt war, ohne jedoch das Glück zu haben, dem Wilde viel Schaden zu thun.

Der dritte Soloſpieler hieß Eccarius, und war in Neukirchen ein weit mehr gefürchteter als beliebter Mann, von mittler unterſetzter Statur, mit einem liſtigen, verſchlagenen Geſichte, über welches nur von Zeit zu Zeit unwillkürlich ein Zug Gutmüthigkeit zuckte. Eccarius, welcher den Titel eines Hofeom⸗ miſſairs— bei welchem Hofe er accreditirt war, wußte man ſo eigentlich nicht— führte, hatte wäh⸗ rend des letzten Kriegs dem einträglichen Geſchäfte eines Armeelieferanten vorgeſtanden, ſich dabei ein ar⸗ tiges Sümmchen zurückgelegt und lebte bereits eine Reihe von Jahren in Neukirchen, wo er ſich vor dem Wieſenthore ein geſchmackvolles Haus gebaut, in Actien und Staatspapieren ſpeculirte und nicht unbedeutende Geſchäfte trieb. Dieſer Herr Hofcommiſſair war von Natur ſo außerordentlich zur Oppoſition geneigt, na⸗ mentlich was ſtädtiſche und geſellſchaftliche Angelegen⸗ heiten betraf, er führte eine ſo witzige und beißende Zunge und Feder, daß ihn Jedermann fürchtete und ſich wohl hütete, mit ihm feindlich zuſammenzutreffen. Er trug allein die Schuld, daß die Donner der Pa⸗ riſer großen Woche auch in dem friedlichen Neukirchen ihren Wiederhall fanden; er ſtellte ſich an die Spitze einiger unzufriedenen und neuerungsſüchtigen Bürger, encouragirte ſie zum energiſchen Widerſtande und führte ihre Sache ſo geiſtreich, geſchickt und gewandt gegen