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Wer nie ſein Brot mit Thränen aß.
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf ſeinem Bette weinend ſaß—
Der kennt euch nicht, ihr himmliſchen Mächte.
Goethe.
E⸗ fehlten noch einige Minuten an Mitternacht, als der reiche Kauf⸗ und Handelsherr Peter Erasmus einſam und auf geheimißvolle Weiſe in ſeinem Zim⸗ mer auf⸗ und abging. Er blickte ſcheu in den dunklen Partieen des Gemachs umher, welches nur mäßig von einer Aſtrallampe erhellt war, und je näher der Zei⸗ ger der verhängnißvollen Zwölf rückte, deſto unruhiger ward der nächtliche Wandler.
Draußen ruhte tiefe Nacht über Dächern und Straßen. Mit naſſen Wolkenvorhängen, durch welche kein Stern herniederblickte, war der Himmel umhan⸗ gen, und das momentane Geſchrill eines Wetterfähn⸗ chens das einzige Geränſch, das von Zeit zu Zeit die lautloſe Stille unterbrach.
Die Glocke der Sanct Sebalduskirche ſchlug jetzt zwölf Uhr. Dumpf klangen die endloſen zwölf Schläge durch die Nacht. Auch die Pendüle im Zim⸗ mer des Banquiers hob aus und verkündete in ſchnel⸗ lern Schlägen die zwölfte Stunde. Erasmus hielt den Athem an, und als der letzte Ton verklungen war, ſchaute er ſich nochmals im Gemache rings um.
„Katharina?!“ rief er leiſe mit etwas unſiche⸗
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