Teil eines Werkes 
3. Band (1855)
Entstehung
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ſchen den vier Pfählen hing, und forderte zum Abendgebete auf. Die zwei Schiffenden zogen ſogleich ihre Ruder ein, und beteten ſtill ihren Abendſegen, während der Kahn im Zuge gleichſam von ſelbſt längs der grauen Felſen hin ging, die von der Inſel in den See nieder ſtanden. Auf den Bergen herum war hie und da ein irrendes Licht. Der See hatte ſogar Streifen bekommen, deren einige glänzten, und ſelbſt Funken empor warfen, obwohl die Sonne ſchon ſeit längerer Zeit untergegangen war. Ueber alles das kamen die fortwährenden emſigen Klänge des Glöckleins herüber, gleichſam von unſichtbaren Händen tönend; denn die Hul war nicht zu ſehen, und rings um den See war kein Flecklein, das nur ent⸗ fernt einem menſchlichen Aufenthalte ähnlich geſehen hätte.

„Im Kloſter der Klauſe muß auch noch eine Glocke ſein. Ich glaube, eine ſchöne Aveglocke,“ ſagte der Alte, nachdem er ſeine Mütze wieder aufgeſetzt und das Ruder ergriffen hatte,„aber man läutet ſie nie; ich wenigſtens habe den Ton derſelben nie gehört. Auch nicht ein⸗ mal eine Uhr hört man ſchlagen. Mein Großvater hat geſagt, daß es ſehr ſchön war, wenn in den vergangenen Tagen das ganze Geläute auf dem See lag— denn damals waren noch die Mönche— und wenn es in dem lichten Morgennebel daher tönte, ohne daß man wußte, woher es komme; denn Ihr werdet geſehen haben, daß wir den Berg umfahren haben, und daß man von der Hul aus die Inſel nicht ſehen kann. Es iſt. der hohe Orla, dieſer Berg, und zwei Mönche haben ihn einmal bei klafterhohem Schnee überſtiegen, da der See gefroren war, aber nicht trug, und da ſie keine Lebensmittel mehr hatten. Sie hieben mit den Knechten, die ſie in dem Schiffe hatten, eine Straße in das Eis, daß der Kahn gehen konnte, und als ſie an dem Berge waren, ſtiegen ſie über den Gipfel in die Hul; denn zwiſchen dem Berge und dem See iſt kein Fuß⸗ weg möglich. Es ſind ſeitdem wohl über hundert Jahre vergangen, und ſelten geſchieht es, daß der See überall mit einer Decke von Eis über⸗ zogen iſt.“

„Sind alſo einmal Mönche auf der Inſel geweſen?“ fragte Victor.

„Ja,“ antwortete der Greis.„In ſehr alter, alter Zeit ſind fremde Mönche hieher gekommen, da noch gar kein Haus an dem ganzen See ſtand, und da noch nichts in ihm ſchwamm, als ein Baum, der von dem Felſen in ihm herab gefallen war. Sie ſind auf Flößen und Tannen⸗ äſten nach der Inſel über gefahren und haben zuerſt die Klauſe gebaut,