Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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in dem inneren Haushalte ihres Lebens gewähren, der ſich nicht auf⸗ ſchließt, wenn es nicht freiwillig iſt. Ich war nun ſchon ziemlich lange auf Uwar, und war gerne da, weil ich an den Beſchäftigungen des Ortes mit Aufmerkſamkeit, und öfter auch mit wirklicher Thätigkeit Antheil nahm, und weil ich zu andern Zeiten an dem Tagebuche meiner Reiſen und Erfahrungen weiter ſchrieb: aber das glaubte ich zu erkennen, daß in dem reinen beſchäftigten Leben des Majors irgend ein Bodenſatz liege, der es nicht zur völligen Abklärung kommen ließ, und mir war, als ſei doch irgend eine Art Trauer da, die ſich natürlich bei einem Manne nur durch Ruhe und Ernſt ausdrückt.

Sonſt war er in ſeinem Leben und in ſeinem Umgange mit mir ſehr einfach, und von einer Zurückhaltung oder Verſtellung war nicht im Ge⸗ ringſten die Rede. So ſtand auf dem Tiſche ſeines Schreibzimmers, in das ich ſehr oft kam, und an dem wir an heißen Nachmittagen oder Abends bei der Kerze, wenn wir noch nicht ſchlafen gingen, von verſchie⸗ denen Dingen plauderten, ein Bild es war in ſchönem Goldrahmen das verkleinerte Bild eines Mädchens von vielleicht zwanzig zwei und zwanzig Jahren aber ſonderbar war es, wie auch der Maler die Sache verſchleiert haben mochte, es war nicht das Bild eines ſchönen, ſondern eines häßlichen Mädchens die dunkle Farbe des Angeſichtes und der Bau der Stirne waren ſeltſam, aber es lag etwas, wie Stärke und Kraft darinnen, und der Blick war wild, wie bei einem entſchloſſenen Weſen. Daß dieſes Mädchen etwa in ſeinem früheren Leben eine Rolle geſpielt habe, wurde mir klar, und mir fiel der Gedanke ein, warum ſich denn dieſer Menſch nicht vermählt habe, ſo wie mir dieſer Gedanke auch ſchon bei unſerer italieniſchen Bekanntſchaft gekommen war; aber nach meinen Grundſätzen hatte ich damals nicht gefragt, und fragte auch jetzt nicht. Er durfte freilich das Bild ruhig auf dem Tiſche ſtehen laſſen; denn es kam Niemand von ſeinen Leuten in das Schreibgemach, ſondern ſie muß⸗ ten im Vorzimmer, wo ein Glöcklein beim Eintritte läutete, ſtehen blei⸗ ben, wenn ihm einer etwas zu ſagen hatte. Auch von ſeinen Bekannten und von Beſuchenden kam Niemand in das Zimmer, da er ſie immer in ſeiner anderen Wohnung empfing. Es war alſo ſchon ein Grad Vertrau⸗ lichkeit, daß ich da hinein durfte, und alles beſehen konnte, was da ſtand und lag. Dieſe Vertraulichkeit mochte ich wohl dem Umſtande zu ver⸗ danken haben, daß ich nie forſchte und grübelte.