Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

die noch warme Luft entbehrlich zu machen ſcheint. Wir warteten, da wir hinaus gekommen waren, an dem von ihm angegebenen Punkte, bis die Sonne untergegangen war. Und in der That, es war ein prachtvoller Anblick, der nun folgte: auf der ganzen ſchwarzen Scheibe der Haide war die Rieſenglocke des brennend gelben, flammenden Himmels geſtellt, ſo ſehr in die Augen wogend und ſie beherrſchend, daß jedes Ding der Erde ſchwarz und fremd wird. Ein Grashalm der Haide ſteht wie ein Balken gegen die Glut, ein gelegentlich vorüber gehendes Thier zeichnet ein ſchwar⸗ zes Ungeheuer auf den Goldgrund, und arme Wachholder und Schlehen⸗ büſche malen ferne Dome und Palläſte. Im Oſten fängt dann nach wenigen Augenblicken das feuchte kalte Blau der Nacht herauf zu ſteigen an, und ſchneidet mit trübem und undurchſichtigem Dunſte den eigentlichen Glanz der Kuppel des Himmels.

Die Erſcheinung dauert vorzüglich in den Junitagen, wo die Sonne hoch ſteht, ſehr lange. Als wir ſchon zu Hauſe waren, als wir ſchon das Abendmahl eingenommen und einige Zeit mit einander verplaudert hatten, als ich dann in meinem Schlafzimmer war, an dem Fenſter ſtand, und bereits faſt die Mitternacht heran kam, ſtand noch ein trüb gelbes Stück⸗ chen Licht in Weſten, während ſchon im blauen Oſten die rothe Scheibe des Halbmondes glühte.

Ich nahm mir an dieſem Abende vor, morgen oder übermorgen, oder wenn ſich immer in den nächſtfolgenden Tagen eine Gelegenheit ergäbe, den Major um das Ziel zu fragen, von dem er mir geſchrieben hatte, daß er es endlich gefunden habe, und daß es ihn auf immerwährende Zeiten an die Heimat binde.

Des andern Morgens weckte er mich vor Sonnenaufgang und fragte, ob ich den Tag für mich zubringen, oder ob ich ihn mit ihm theilen wolle. Beides ſtehe mir auch in der Zukunft frei. Wenn ich an den Geſchäften und Beſtrebungen des Hauſes Theil nehmen wollte, ſo dürfe ich nur an dem Tage, an dem ich Solches im Sinne habe, beim Klange der Hof⸗ glocke, die jeden Morgen geläutet werde, aufſtehen und mich zu dem ge⸗ meinſchaftlichen Frühmahle einfinden. Hätte ich aber an einem Tage ab⸗ geſonderte Pläne, ſo ſeien ſchon ſeine Leute, falls er ſelber nicht da wäre, angewieſen, mir mit Pferden, mit Begleitung oder mit anderm Nöthigen an der Hand zu ſein. Lieb wäre es ihm, wenn ich ihn von ſolchen Din⸗ gen, vorzüglich, wenn ſie weitere Entfernungen von Hauſe beträfen, im⸗