Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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das Geſuchte zu finden. Aber als ich alles wieder hineingelegt hatte, als ich den Knecht rufen wollte, daß er mir die Truhe ſammt den Papie⸗ ren in mein Zimmer hinabtragen helfe, und als ich ſie zu dieſem Zwecke ein wenig näher an das Licht rückte, hörte ich etwas fallen und ſiehe, es war das geſuchte Buch, das an der hintern Wand der Truhe gelehnt hatte und von mir nicht bemerkt worden war. Tiefer Staub und Spin⸗ nenweben umhüllten es der Vater, den ich noch ſo deutlich vor mir ſitzen ſehe, als wäre es geſtern geweſen, modert nun ſchon ein Viertel⸗ jahrhundert in der Erde tauſendmal hatte ich die Mutter um das Le⸗ derbuch gefragt, ſie wußte es nicht und ſie hatte vergebens oft das ganze Haus darnach durchforſcht. Wer mag es hieher gelehnt, und auf ewig vergeſſen haben?

Ohne nun die Einſamkeit des Bodens zu verlaſſen, da mich unten niemand vermißte, und gewiß alle in ihre Geſpräche vertieft ſein moch⸗ ten, nahm ich das Buch vor, ich reinigte es zuerſt ein wenig von dem ſchändenden Staube, der wohlbekannte rothe Deckel kam zum Vorſcheine, ich drückte an die Federn, mit veraltetem Krachen ſprangen die Spangen, die Deckel legten ſich um und ich ſah hinein. Das ganze Pergament war beſchrieben, die rothen Seitenzahlen liefen durch das Buch, aber hier nur bis auf fünfhundertundzwanzig, es war dieſelbe alte, breite, verworrene Schrift, ſchlecht aus lateiniſchen und deutſchen Buchſtaben gemiſcht, die⸗ ſelbe ſeltſame Feßlung der Blätter mußte auch hier ſtatt gehabt haben, aber gelöſt worden ſein; denn an allen Rändern war deutlich der gewe⸗ ſene Meſſerſchnitt ſichtbar, und als ich das erſte Blatt umſchlug, ſtand der Titel:Calcaria Doctoris Augustini tom. I. Ich blätterte vorne, ich blätterte hinten, ich ſchlug hier auf und dort auf, überall die⸗ ſelbe Schrift mit den ſtarken Schattenſtrichen und den in einander fließen⸗ den Buchſtaben, und die ganzen großen Pergamentblätter waren von oben bis unten voll geſchrieben. Aber auch etwas anderes kam zum Vor⸗ ſcheine: ich fand nämlich viele zerſtreute Blätter und Hefte in dem Buche liegen, die ſämmtlich die Handſchrift meines verſtorbenen Vaters trugen. Ich ſah ſie näher und dachte mir: alſo darum war nichts von ihm in der Truhe zu finden geweſen, weil er alles hieher gelegt hatte und weil alles vergeſſen worden war.

Bevor ich in dem Buche las, wollte ich eher dieſe Dinge des Vaters anſchauen, Blatt nach Blatt ging durch meine Hände, da waren Lieder,