Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

337

knirſchte gegen ihn. Ich ſtieg aus dem Thale des Parthenon empor, und ein zerriſſener Himmel ſtarrte um mich. Es waren ſchwarze Fahnen dro⸗ ben, aus denen feurige Zungen griffen. Ich eilte gegen den Thurm des Prokopus. Dort ſtand ich einen Augenblick, daß die heiße Sommerluft in meinem Mantel ſtockte, den ich abzulegen vergeſſen. Dann aber ſtieg ich noch höher, und haſtig fort, bis die äußerſte Zinne erreicht war. Dort hob ich meinen Arm, als müßte ich Laſten brechen, und ſchleuderte das Fläſchchen in den Abgrund es iſt dort unſäglich tief, wo die Bergzunge gegen die Fichtau ausläuft und wie ich nachhorchte, kam ein zarter Klang herauf, da es an den hervorragenden Steinen zerbrach und nun erſt war mir leichter. Ich blieb noch auf dem Gipfel ſtehen und athmete aus dem Meere von Luft, das um mich ſtand und finſter war. In dieſem Augenblicke ſchien es auch, als höbe ſich ein Lüftchen, und rauſche freundlich in den Sträuchen. Und es war auch ſo. Der harte Himmel löſete ſich, und floß in weiche Schleier ineinander und einzelne Tropfen ſchlugen gegen die Baumblätter.

Ich lief nun wieder hinab, ging in ihr Zimmer, trat zu dem Bette ſie lag noch immer darinnen, und richtete die trockenen, brennenden Augen harrend gegen mich ich aber nahm ſie in die Arme, küßte ſie auf den heißen Mund, und ſagte:Schlafe nun ruhig und ſchlafe ſüß; ich krümme dir kein Haar; ich werde dich auch lieben fort und fort, wie mein Weib, wie mein eignes einzig Kind ich will dich noch zarter pfle⸗ gen, als ſonſt, daß du dieſe Nacht vergeſſen mögeſt. Gute Nacht, liebe Chelion, gute Nacht.

Sie hatte dieß Alles geduldet, aber nicht erwiedert. Ich mochte ſie nicht weiter quälen, ſondern ging zum Zimmer hinaus, und hörte noch, wie mir ein leiſes, auflöſendes Schluchzen nachfloß.

Des andern Tages kam ein kühler, heiterer Morgen. Ich erfuhr, daß Graf Sirtus in der Nacht abgereiſet war. Ruprecht, ſein junger Freund, ſein Jagd⸗ und Abenteuergenoſſe, hatte ihn befördert; ich wußte es wohl, denn ſie hatten ſich immer ſehr geliebt aber ich ſagte nichts, obgleich mich Ruprecht mit der Angſt des böſen Gewiſſens anblickte mir war es wohl, daß er fort war, mir war es ſehr wohl, daß er ge⸗ flohen.

Als ich zu Chelion kam, kauerte ſie eben auf dem Boden, und vrückte eine Taube an ihr Herz. Ich that mir noch einmal den Schwur,

Stifter. 4. Aufl. I. 22