Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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während Arbeitsleute aller Art auf dem Rothenſteine beſchäftigt waren, ſo daß es ſchien, als rühre ſich nun der ganze Berg, der früher ſo ver⸗ einſamt geweſen; während das vermauerte Thor nun wieder gaſtlich ſeine Wölbung offen hielt, und auf einem Gerüſte Steinmetzen oder Steinhauer an ſeiner Verzierung arbeiteten; während kein Weg auf dem Berge war, auf dem nicht ein Karren quikte, kein Buſch, hinter dem es ſich nicht rührte, kein Dach, auf dem es nicht ging, kein Zimmer, in dem es nicht ſcheuerte während dieſes Alles geſchah, ging Heinrich langſam bei dem großen verfallenen Thore des Julianſchloſſes hinein, in das einzige Bauwerk, in welchem keine Hand ſich regte; er ging den betretenen Pfad über den Schutthügel; er ging bei der entgegengeſetzten Heffnung wieder hinaus, durchwandelte den verfallenenen Garten auch auf dem wohlbetretenen Pfade, und hielt vor dem hohen rothen Felſen ſtille, zu dem die Pfade führten. Hier zog er einen Schlüſſel aus ſeinem Buſen hervor, denn die Siegel waren ſchon alle nicht mehr da drehte ihn dreimal in dem Schloſſe, und öffnete ſanft die hohen, glatten, eiſernen Thorflügel. Da ſah ein weiter, matt dämmernder Gang her⸗ aus; weit geſchweifte, flache, halbkreisartige Stufen von blutigrothem Marmor wieſen zu einem zweiten Eiſenthore von wunderſchöner Arbeit, die zwei Schlüſſelmündungen mit gediegenem Golde umlegt. Er trat ein. Hinter ſich ſchloß er die äußern Thore, und ſchritt über das Licht⸗ gezitter, das eine Spiegelvorrichtung von oben herab auf den Eſtrich des Ganges warf, und ihn ſchwach beleuchtete. Nachdem er die Stufen emporgegangen war, nahm er die zwei kleinen ſtählernen Schlüſſel aus einem Sammtfache, das er mit ſich trug, und öffnete die eiſerne, gold⸗ belegte Pforte. Ein großer, ruhiger Felſenſaal that ſich auseinander, auf ſeinem Fußboden dasſelbe Spiegellichterſpiel zeigend, wie der Gang, und damit die im Sechseck geſtellten Wände matt beleuchtend, an denen es wie von Metallen glänzte. Heinrich ging ebenfalls hinein und ſchloß hinter ſich zu. Dann aber ging er den Wänden entlang, drückte an ver⸗ ſchiedenen Stellen, worauf ſich die eiſernen Lehnen von den Fenſtern der Kuppel zurückſchlugen, und ſanfte Lichtbäche von oben herabfallen ließen, die Alles klar machten, aber die ſpielenden Lichtwunder des Fußbodens auslöſchten. Bevor nun Heinrich irgend etwas Anderes that, ſchritt er gegen eine Stelle der Marmorwand, öffnete dort ein kleines ſtählernes Thürchen, auf dem mit goldenen Buchſtaben das Wort:Henricus II.