Gerichtsbot in der Früh gebracht hatte.„Der Vikar,“ ſagt ſie,„hat freilich gemeint, ich ſolls ihm ſagen, eh' ichs über⸗ geben will, aber es wird ſo heikel nicht ſeyn, denn er hat das ſeinige auch ſchon aufgemacht.“ O Du lieber Gott, ich weiß gar nicht, wie mir da worden iſt vor lauter Begierigkeit und vor lauter Angſt, denn weil der Bruder ſo bedenklich worden iſt, ſo habe ich doch wieder gezweifelt, ob ſich die Regierung nicht anders beſinnen möchte. Da macht die Burgel ein Kreuz über den Brief und reißt ihn auf und fangt zu leſen an, buchſtabirt die ſchweren Wörter, reibt ſich die Stirn und ſagt:„Da müßt ihr mir ſchon helfen— es geht mir nicht zuſammen.“ So fangen wir alſo auch an und da heißt es, wie derſelbe bei der Regierung geſagt hat: als null und nichtig aufgehoben. Damit es keine Irrung gibt, möcht ich Dir wohl gleich das Ganze ſchreiben, aber es iſt zu lang und wenn Du herüberkommſt, ſo laß ich Dirs ſchon leſen. Gründe waren auch dabei, welche wir indeſſen nur zum wenigſten verſtunden haben. Das aber haben wir gleichwohl gemerkt, daß die ganze Sach nichts iſt, wie ſie das Landgericht gemacht hat. Und ſo leſen wir immer fort, immer wieder von vorn und hat uns doch immer beſſer gefallen und der Bruder hat's zuletzt ſelber geglaubt, daß es überſtanden iſt, bis ich auf ein⸗ mal hinter dem großen Haſelbuſche, der neben dem Sommer⸗ haus ſteht, meine alte Trompete in Fs erſchallen höre, gerade wie aus Zauberei, ſo fürnehm und ſo hell, und ſpielt ein luſtiges Lied. Auf das renn ich zum Gartenthürl und mach' auf und da ſteigt der Vikari herein und blast immer munter
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