Druckschrift 
Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
Einzelbild herunterladen

Grunde, daß dies die Unterhaltung, die am wenigſten in's Geld gehe.

So gingen denn auch die beiden, den philoſophiſchen Studien geweihten Jahre vorüber. Er hätte ſie vielleicht langweilig genannt, wenn er überhaupt gewohnt geweſen wäre, etwas kurzweilig zu finden. Als er aber ſofort im fünften Semeſter wieder auf die hohe Schule zog, trat er als Candidatus juris auf, und er ſoll dabei einiges Behagen nicht verheimlicht haben, daß er jetzt endlich den Punkt getroffen, auf den er ſeit zehn Jahren unabläſſig gezielt. Den Dok⸗ trinen, deren Aneignung ihn nun zum Rechtsgelehrten ſtempeln ſollte, ſah er übrigens ohne Spannung entgegen; doch fand er für gut, in ſeiner Lebensweiſe einige Aenderungen eintreten zu laſſen, indem er einestheils den Nachmittagsſchlummer aufgab, anderntheils einige Stunden für die Repitition der Collegien feſtſtellte. Auch fing er jetzt an, in den Vorleſungen nachzuſchreiben, was er früher folgerechter Weiſe für unnöthig hatte halten müſſen, und während er ehedem ſich ſeinen Platz gern in den letzten Bänken auserwählt, ſetzte er ſich nunmehr, um Alles genau zu hören, lieber in die erſten.

Auf dieſe Art erübrigte er ſich denn genug, um anſtändig durch das Schlußeramen zu ſchlüpfen, und als er ſein Atteſt in der Taſche hatte, verließ er ſein Dachſtübchen und kam als geprüfter Rechtspraktikant in ſeiner Geburtsſtadt und im väter⸗ lichen Hauſe an. Herr Johann Baptiſt Schimmelhauſer senior hatte damals ſchon lange gekränkelt, und nun, als ſein ge⸗ prüfter Sohn von der Hochſchule zurückkehrte, hatte er nicht