Teil eines Werkes 
3. Band (1862)
Entstehung
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ſten drang durch das Seitenpförtlein ein und blieb an der weit geöffneten Pforte der Kapelle gefeſſelt ſtehen.

Vor dem Hochaltar, auf einem erhöhten Ge⸗ ſtelle, lag, von brennenden Kerzen umgeben, eine weiße, regungsloſe, doch wunderbar holde Geſtalt, mit bleichem Angeſicht von himmliſch verklärten Zügen, einem Engel der Liebe und des Friedens ähnlich.

Rund umher knieeten die Kloſterfrauen, mit gedämpfter Stimme heilige Lieder ſingend, und weiß gekleidete Knaben ſchwangen Weihrauch⸗ gefäße uber ſie hin, und duftende Wölkchen dutch⸗ zogen das kleine Gotteshaus. Ein Prieſter ſtand an dem Hochaltar und erhob ſegnend die Hände gegen den Sarg und betete für das Seelenheil der Frühverſtorbenen, die doch hienieden ſchon ein Engel war.

Leiſe ſchlichen ſie wieder hinweg, die lärmend gekommen waren, und Manuela's Todtenfeier blieb ungeſtört von dem Geräuſche der Welt.

Der Tod in ſo holder und feierlicher Geſtalt überwältigt auch die entfeſſelte Leidenſchaft mit einen ahnungsvollen, heiligen Schauern.