Auch ſchreiben durfte ſie nicht, das war ihr klar; nur mündlich konnte ſie verſuchen, den Grafen völlig auf⸗ zuklären.
Mit dieſen Gedanken beſchäftigt floß der Tag an dem jungen Mädchen vorüber; weder zur Nähſtunde
ging ſie, noch verrichtete ſie ſonſt eine Arbeit, jede Be⸗
ſchäftigung war ihr zuwider; in ſich gekehrt ſaß ſie da und blickte trübe und theilnahmlos zur Erde.
Die Mutter ließ ſie ruhig gewähren; ſie nahm an, daß der Schreck vom verfloſſenen Abend dem Kinde noch immer ein Unbehagen bereite, und wollte ihm Zeit laſſen, in aller Ruhe ſich wieder zu faſſen.
Spät am Abend weilte Anna allein auf ihrem Schlafzimmer. Jetzt endlich hatte ſie einen feſten Ent⸗ ſchluß gefaßt, ſie mußte einen Schritt unternehmen, der geeignet war, ihr und dem Grafen die Ruhe und den Frieden wiederzubringen.
Ohne lange zu ſäumen, ſetzte ſie ſich hin und ent⸗ warf einen Brief an den Geliebten, in welchem ſie ihm ſagte, daß ein unglückſeliges Mißverſtändniß ſich zwiſchen
ihn und ſie geſtellt habe, daß ſie aus ſeinen Zeilen
erſehen, wie er ihr zürne und in welcher Weiſe er ſie beſchuldige. Dann fragte ſie, ob es möglich ſei, daß er, der ihr ſeine heiße und innige Liebe geſtanden, der ihr ſein ganzes Vertrauen geſchenkt, ſie ſo bald darauf


