Teil eines Werkes 
1. Band (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

ſtadt paſſirten allein drei die Stadt und zwar mor⸗ gens, mittags und abends.

So oft nun der muntere Ton des Poſthorns zu dieſen Tageszeiten durch die Straßen erſchallte, kam eine alte Frau mit möglichſt ſchnellen Schritten aus der nächſten Quergaſſe auf das Poſthaus zu, wenn⸗ gleich das Alter und vielleicht auch Krankheit ihr die⸗ ſen Gang recht ſauer machten. Aber man ſah es all ihren Bewegungen an, daß ſie darnach Verlangen

trug, am Platze zu ſein, bevor der Wagen zum Halten

kam. Dann, wenn er endlich ſtill ſtand, ein Unter⸗ beamter den Schlag öffnete und die Paſſagiere zum Ausſteigen einlud, drängte ſie ſich näher herzu, in

ihrem bleichen, vom Alter gefurchten Geſicht ſpiegelte

ſich eine fieberhaft ängſtliche Erwartung ab und mit weitgeöffneten Augen muſterte ſie jeden einzelnen der Reiſenden. Wenn dieſe ſämmtlich an ihr vorüberpaſſirt waren, ſchaute ſie noch einmal in den leeren Raum, als müſſe er durchaus etwas enthalten, das all ihr Glück ausmachte.

Der Wagenmeiſter ließ ſie ruhig gewähren, obgleich zu damaliger Zeit die Poſtbeamten gerade nicht im Ruf übergroßer Menſchenfreundlichkeit ſtanden; er mochte die arme, ſo oft enttäuſchte Frau bemitleiden.

Erſt wenn das Rütterchen ſich aufs genaueſte über⸗