23
des heiligen Ludwigs auf der Bruſt zu tragen, er iſt mir lieber als der der Ehrenlegion, weil das Kreuz nicht an gemeine Leute vergendet wird; es iſt ferner ſehr intereſſant, den Rang eines Generallieutenants zu haben;— aber was in aller Welt fange ich in der Länge mit dem Orden allein, mit dem Titel allein an? Davon kann man nicht ſtandes⸗ mäßig leben; Sie fehen das ein, mein Beſter. Das iſt kein Lohn für eine Hingebung, wie die meinige. Ich will nun nicht behaupten, daß der König nicht in der Folge einen Blick der Gnade auf ſeine treueſten Diener werfen werde. Die Zeit wird alles ausgleichen; doch wollte ich Ihnen nur durch mein Beiſpiel beweiſen, wie es Sie nicht wundern muß, nachläſſig behandelt zu werden, da wir die gleiche Unbill leiden.“
Dammartin hatte ſich unruhig hin und her bewegt, und von Zeit zu Zeit mit dem Invaliden bedeutende Blicke ge⸗ wechſelt; endlich brach er in die Worte aus:„Ja freilich, Herr Marquis, mit uns andern Leuten von der Revolution iſt es auch etwas anders. Wir haben ſo zu ſagen unſern Lohn ſchon dahin: unſere Wunden, unſere Strapatzen, aber auch unſern Ruhm. Gott weiß, welche Geſichter neuerlich in unſeren Bureau's und Vorzimmern an die Tagesordnung gekommen ſind. Geſichter, deren man ſich ſeit mehreren Jahrzehnden nicht mehr erinnerte. Weil des Adlers Fittige gebrochen ſind, herrſchen billig die Taubenflügel vor. Eine ſchreiende Ungerechtigkeit, daß des Königs erſte Regenten⸗ handlung nicht alſogleich das Lvos jener Getreuen ſicherte, die zu ſeines Hauſes Ehre in England oder in Deutſchland müßig gingen, und in den Salon's von Hartwell gähnten oder nach dem Barometer ſchauten.“


