— 1— das Gemaͤlde: eine feurige Zunge, gierig leckend die Farben, die Formen, um nichts zuruͤckzulaſſen als die trockne bleiche Leinwand. Und doch war ſein Augenſtrahl nicht der eines ſinnlichen Celi⸗ bataͤrs, der, ſeine Luſte zu wechſeln, gleichfrevelnd nach Matrone und Peſtalin und Antinous die Hand ſtreckt.— Fromme Ruͤhrung, weiche Erinnerungen, finſtrer Schmerz und dann und wann ein Blitz ſchwer zu verſoͤhnenden Grolls ſpielten auf und nieder in dem Auge des Mannes, der mit der Linken um ſich taſtete, bis er das Kleid des neben ihm ſtehenden Malers erfaßte.— „Das iſt Porträt?“ fragte er durch die Zähne: „Dieſe Dame lebt? das ſind ihre Kinder? Wo aber lebt ſie, und wer malte dieſes Bild?“
„Es iſt meine Arbeit,“ ſagte beſcheiden der Andere:„die Arbeit, von der ich ſprach, da ich heute die Ehre hatte, Sie in der Galerie kennen zu lernen.⸗
„Brav gemalt, feurig, phantaſiereich; ſchon mit einem Worte! lobte der Reiſende mit verbind⸗ lich⸗gleichguͤltigem Tone, um mit der Form auf


