Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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zu keinem Verhältniß geführt; Durchlaucht hätte auf der Pro⸗ menade vor den Dawen ſtumm den Hut gezogen und damit wäre die Sache abgethan geweſen. Und was geſchah jetzt? Es kommt mir heute, wo ich doch den Schlüſſel des Wunders habe, noch immer wie ein Wunder vor, wenn ich denke, daß wir am Abend dieſes nächſten Tages in unſeren alten Gemächern am Tiſch der Ercellenz den Thee einnahmen.

Und wie dieſer Abend, ſo noch manche folgenden; und auf den Promenaden freundlichſte Begrüßungen, ja gelegentliche ge⸗ meinſchaftliche Ausflüge. Ich kannte meine Durchlaucht nicht wieder, obgleich ich ja für dieſes Intermezzo in der ſonſtigen

Monotonie unſeres Bade⸗Aufenthaltes nur dankbar ſein mußte;

auch von den übrigen Curgäſten um meine erceptionelle Stellung wahrlich nicht wenig beneidet wurde. Denn Ercellenz hatte den leiſe angedeuteten Wunſch Sereniſſimi pünktlich befolgt und war in Durchlauchts Intereſſe ſo excluſiv, wie Durchlaucht es nur immer hätte ſein können. Dieſe zarte Aufmerkſamkeit war Ex⸗ cellenz um ſo höher anzurechnen, als unter den Curgäſten gerade ſehr viel preußiſcher Adel, das heißt ſehr viele Bekannte der Familie waren, vor Allem viele Officiere, die nach dem eben

beendigten Kriege an den Waſſern von Wiesbaden Stärkung

für ihren geſchwächten Organismus ſuchten und wahrhaftig nichts dagegen gehabt hätten, in der Geſellſchaft höchſt reizender, in jeder Beziehung ausgezeichneter Damen ihre Nachmittage oder Abende zu verbringen.

So verlebten wir die angenehmſte Woche, als Durchlaucht am achten Tage mit allen Zeichen großer Verſtimmung zu mir ſagte:

Ich werde abreiſen müſſen; es kommt Jemand, mit dem ich nicht in einem engen Bade zuſammen ſein mag. Können Sie rathen, wer?

Nun, meine Herren, es war Graf Heinrich Roda⸗Steinburg und was das Schlimmſte war, der Graf kam nicht blos zur Nachkur ſeiner bei Sadowa erhaltenen Wunden, er kam der Damen wegen, wie Durchlaucht ſoeben aus dem Munde der Ercellenz ſelbſt erfahren. Sie habe mit der Nachricht gezögert,