164 Durch Nacht zum Licht.
nicht gewillt, ſich vor ſeinen beiden Feinden ſehen zu laſſen, drückte er ſich auf die Seite und wollte eben in die Gertrudenſtraße hinein⸗ biegen, als er ſich von Jemand am Rockſchoß feſtgehalten fühlte. Als er ſich umſah, erblickte er ſeinen Freund und Gönner, Ehren Jeremias Gutherz.
„Nun, wie iſt's abgelaufen?“ fragte der geheime Poliziſt, der mittlerweile Timms Freundſchaft ſich erworben und in die Intriguen deſſelben vollkommen eingeweiht war.
„Alles vergebens!“ erwiderte Timm ärgerlich,„Mühe und Arbeit umſonſt, ganz umſonſt! Ich könnte die beiden Schufte“— er deutete auf Oswald und Schmenckel—„in der Hölle braten laſſen.“
„Hm, hm!“ ſagte der Geheime;„das müßt Ihr mir in Ruhe erzählen. Kommt mit zu Roſalien; aber erſt wollen wir doch noch hören, was der verrückte Profeſſor dort zu ſagen hat.“
„Kennt Ihr den?“ fragte Timm.
„St! wir kennen ihn!— belogenes Volk— ſehr gut!— zu den Waffen— ausgezeichnet! warte! Dich wollen wir kriegen! Und da kommt ja auch noch der lange pommerſche Baron, der in den Volksverſammlungen ſo aufrühreriſche Reden führt— da haben wir ja das ganze Neſt zuſammen!— Barricaden bauen— bravo! Hurrah! † alle Mann an die Barricade, hurrah!“ ſchrie der Geheime und ſchwenkte ſeinen Hut in vortrefflich geſpielter Begeiſterung. Dann griff er Timm beim Arm und ſagte:„Nun wollen wir machen, daß wir wegkommen, ſonſt bauen uns die Kerle noch mit in die Barricade hinein.“
Die beiden Spießgeſellen drückten ſich in die Seſ und verſchwanden im Duſtern Keller.
Frau Roſalie Pape empfing ſie mit ungewöhnlicher Herzlichkeit:
„Nun, Ihr Schäfchen, kommt Ihr mit vollem Beutel? hat's ge⸗ fleckt, he?“
„Halt's Maul!“ ſagte der Geheime,„und ſchaff uns Bier, wir müſſen bald weiter.“
„Ohne mir geſagt zu haben, wie's ſteht mit“— ſagte die wür⸗ dige Matrone entrüſtet und machte mit Daumen und Zeigefinger die Bewegung des Geldzählens.


