Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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12 Durch Nacht zum Licht.

wundert über Albert's Benehmen und das aufgeregte Weſen der Baronin. Ein Menſch, antwortete dieſe,der uns ſeit einiger Zeit unter dem Vorwande, im Beſitz von Gott weiß welchen Familiengeheimniſſen zu ſein, mit unverſchämten Forderungen verfolgt, ſo daß ich mich wohl genöthigt ſehen werde, die Polizei gegen ihn in Anſpruch zu nehmen. Der Fürſt blickte Albert aus ſeiner ſtattlichen Höhe herab von oben bis unten an, ging dann langſam nach dem Tiſch, nahm das ſilberne Glöckchen und ſchellte. Der Bediente trat ſofort herein. Führen Sie dieſen Menſchen hinaus! ſagte der Fürſt. Der Bediente war über dieſen Befehl ſo erſtaunt, daß er nicht wußte, ob er recht gehört hatte, oder nicht. Er blickte mit einem ver⸗ legenen Geſicht von dem Fürſten auf Herrn Albert Timm(der noch immer, mit dem Hute wedelnd, ruhig daſtand), von Herrn Albert Timm auf den Fürſten. Haben Sie nicht gehört, ſagte dieſer Letztere, die ſchwarzen Brauen drohend zuſammenziehend. Der Mann trat einen Schritt auf Timm zu. Ich will Ihnen die unangenehme Alternative, von mir die Naſe eingeſchlagen zu bekommen oder aus dem Dienſt gejagt zu werden, er⸗ ſparen, guter Freund, ſagte Albert gemüthlich;und deßhalb ſelber gehen. Was Sie anbetrifft, Frau Baronin, ſo ſprechen wir uns in kurzer Zeit wieder, aber aus einem andern Ton, und was Sie angeht, junger Menſch, ſo möchte ich Ihnen den guten Rath geben, ſich künftig nicht in Angelegenheiten zu miſchen, die Sie trotz des pompöſen Airs, das Sie ſich geben, durchaus nichts angehen. Der Fürſt machte eine Bewegung nach ſeiner linken Seite hin. Glücklicherweiſe hatte er den Degen im Vorzimmer abgelegt. Albert aber wartete weitere Entſchließungen des ſchwer gereizten Löwen nicht ab, ſondern verließ mit einer ſpöttiſchen Verbeugung das Gemach. Der Fürſt, dem ſo etwas im Leben noch nicht vorgekommen war, ſah ganz verblüfft drein, die Baronin blickte verlegen zu Boden.

So etwas könnte bei uns in Rußland nicht vorkommen, ſagte der Fürſt.