Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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Durch Nacht zum Licht.

Fülle; und dabei Komödie geſpielt, zum Todtſchießen lächerlich. Denke Dir: meine gute Freundin Roſa

War denn die auch da?

Allerdings! habe ich Dir denn nicht geſagt, daß der Baron ſie als Großtante engagirt hatte?

Als was?

Tobias lächelte diesmal mit beiden Augen und Mundwinkeln:

Sie ſpielte mit Perrücke und Krückſtock die alte Großtante des Barons, da das alberne Ding, die Marie, Marie Montbert hieß der Aff und war ein ſo ſchmuckes Mädel, daß einem die Augen über⸗ gingen, wenn man ſie anſah, was wollte ich doch ſagen? Ja! die Marie hatte eine Anſtandsdame aus der Familie des Barons als conditio sine qua non, wie wir Lateiner ſagen, gemacht. Na, nun hatte ſie ihre Anſtandsdame, eine famoſe Anſtandsdame, he, Albert⸗ chen, he! und Ehren Tobias kicherte und ſtieß Albert freundſchaft⸗ lich in die Seite.

Nun, und wie ging die Sache zu Ende? fragte Albert, der Eile hatte, über das, was er ſchon wußte, wegzukommen.

Ja, ich habe ſie nicht zu Ende kommen ſehen, denn wir, d. h⸗ Roſa und ich, brannten ſchon vorher durch. Offen geſtanden fürch⸗ teten wir: die Geſchichte möchte ſchief ablaufen, denn Marie hatte in der Reſidenz manche Freunde, die Lärm machen und uns alle zu⸗ ſammen, zum wenigſten mich und Roſa, in des Teufels Küche brin⸗ gen konnten. So empfahlen wir uns denn eines ſchönen Tages, oder vielmehr Nachts, ohne Abſchied zu nehmen, nachdem wir noch Eines oder das Andere, was uns gerade in die Hände kam, als Andenken an Grenwitz mitgenommen hatten. Hier in Grünwald trennten wir uns, oder wurden getrennt. Ich wurde nämlich ſo krank, vermuthlich von dem guten Leben, das ich in Grenwitz geführt hatte, daß ich nicht weiter konnte, und in's Spital gebracht werden mußte. Was ich damals für ein Unglück hielt, ſchlug mir hinterher zum größten Glück aus. Denn der verſtorbene Superintendent Dunkelmann, der Vater von der Profeſſor Jäger, der damals Spitalgeiſtlicher war, ver⸗ liebte ſich ſo in mein beſcheidenes Lächeln, daß er mich, als ich wieder geſund war, nothwendig zum Bedienten haben mußte na! und von

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