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Zweiter Band. 181 wenigſten bemerkte man an ihm nie Symptome davon. Sein ſtrenges, ernſtes Geſicht verrieth niemals weder Vergnügen noch Langeweile, weder Wohlgefallen noch Mißfallen; es ſchien, als ob dieſe Züge in dem nordiſchen Klima, aus dem der Fürſt ſtammte ein für allemal gefroren wären und weder im Feuer der Liebe, noch des Haſſes auf⸗ thauen könnten. Und ſo war es bis zu einem gewiſſen Grad wirk⸗ lich. Zu der Höhe des Selbſtbewußtſeins, auf welcher er ſtand, reichten die gewöhnlichen Regungen gewöhnlicher Sterblicher nicht hinan. Er konnte nicht über eine witzige Anekdote in Lachen aus⸗ brechen, oder über eine Dummheit die Naſe rümpfen. Niemals hörten ſeine Bedienten ein böſes Wort von ihm; niemals gerieth er vor ſeinen Soldaten in kindiſchen Zorn. Dennoch zitterten ſeine Leute vor ihm, und der General ſelbſt flößte den Musketieren keinen ſolchen Reſpect ein, als der Premierlieutenant Fürſt Waldernberg; denn jene wußten, daß der gnädige Herr zwar nicht ſchalt, aber ſie bei dem geringſten Verſehen ſofort entließ und dieſe erzählten ſich in Caſernen⸗ und Wachtſtuben: Der Fürſt habe die üble Gewohnheit, einen Soldaten, der ſich auch nur den kleinſten Subordinationsfehler gegen ihn zu Schulden kommen ließe, ſofort über den Haufen zu ſtoßen— ein Verfahren, das er nur ganz kürzlich erſt in der Reſidenz beobachtet habe und welches nebenbei der Grund ſei, weßhalb er von ſeinem Garderegiment zu dem in Grünwald garniſonirenden Linien⸗ regiment abcommandirt wurde. Dieſe Geſchichte war nun allerdings, wie viele ähnliche, eine Mythe; der Fürſt war nach Grünwald ge⸗ ſchickt, um Fortification, Hafen⸗ und Küſtenvertheidigung und andere nützliche Dinge zu ſtudiren, und ſich ſo zu der hohen Stellung, zu welcher ihn, wenn nicht ſein militairiſches Genie, ſo doch jedenfalls ſein hoher Rang berechtigte, vorzubereiten— aber die Mythe bewies doch, wie der gemeine Mann, der für die Tugenden und Fehler ſeiner Vorgeſetzten ein ungemein ſcharfes Auge hat, über den Premier⸗ lieutenant Fürſt Waldernberg dachte. Uebrigens ſchienen auch die Officiere ihn mit einigem Mißtrauen, zum wenigſten mit großer Vor⸗ ſicht zu behandeln. Es fiel Niemand an dem gemeinſamen Mittags⸗ tiſch, oder des Abends im Caſino, oder wo ſonſt die Herren zuſammen⸗ kamen, ein, gegen ihn den cordialen Ton anzunehmen, der ſonſt unter


