Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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10 Durch Nacht zum Licht.

Gaſt, und ich bin der Vorſteherin, einem Fräulein Bär, aufrichtig dankbar für die Güte, die zarte Rückſicht, mit der ſie mich behandelt, als wüßte ſie Alles. Vielleicht weiß ſie Alles. Dergleichen Ereig⸗ niſſe in Familien wie die unſere, pflegen nicht verſchwiegen zu bleiben. Habe ich ſelbſt doch Vieles, was im genaueſten Zuſammen⸗ hang mit meiner Verlobungsangelegenheit ſteht, erſt mehrere Wochen ſpäter erfahren, nicht durch meinen Vater, mit dem ich während der ganzen Zeit correſpondirte, der mich auch ein paar Mal von Gren⸗ witz aus beſuchte(mit meiner Mutter, die ſeit einigen Tagen, wie ich höre, in Grünwald iſt, bin ich außer aller Verbindung), ſondern durch eine junge Dame, ein Fräulein Sophie Robran, eine frühere Penſionärin der Anſtalt, deren Bekanntſchaft ich hier machte, und mit der ich eine Art von Freundſchaft geſchloſſen habe. Sie iſt die Braut unſeres Grenwitzer Arztes, der nach Grünwald übergeſiedelt iſt, und ſomit ſind ihre Nachrichten aus guter Quelle. Sie hat mir erzählt, was erſt nach meiner Abreiſe von Grenwitz ſtattgefunden und der Vater mir ſorgſam verſchwiegen hat, daß der junge Mann, von dem ich Dir ſchon im Sommer ſchrieb, unſer Hauslehrer, der Doctor Stein, mein Ritter und mein Rächer geworden iſt, inſofern wenigſtens, als er ſich mit Felir geſchlagen und meinem Herrn Vetter eine Lection ertheilt hat, die dieſer, wie ich aus derſelben Quelle erfahren habe, ſo leicht nicht wieder vergeſſen wird. Ich kann Dir nicht ſagen, wie wunderlich mich dieſe Nachricht berührte. Zuerſt Dir darf ich es ja geſtehen verletzte es meinen Stolz, daß mein Name nun mit dem Namen eines Mannes, wie Herr Stein, zu⸗ ſammen durch die Welt getragen werden ſollte; daß ein Fremder, ein Miethling, ſich in meine Angelegenheiten keck gemiſcht hatte, als wäre er ein Verwandter und ein Ebenbürtiger. Aber dann dachte ich an das alte Wort, daß, wenn die Menſchen ſchweigen, die Steine reden würden; dachte daran, daß kein Bruder ſich brüderlicher, kein Ritter ſich ritterlicher gegen mich hätte benehmen können, als es dieſer Mann vom erſten Augenblick an gethan hat: dachte vor allem daran, daß dieſer Mann meines Bruno's theuerſter Freund war und ich vergaß meinen Stolz und fühlte nicht ohne einige Ver⸗ wunderung, daß ich dieſem Manne für ſeine viele Liebe und Güte