8 Durch Nacht zum Licht.
daß ich den Muth in mir fühle, Dir auf Deine Briefe— denn es liegt jetzt ein ganzes Packet da— zu antworten. Aber ich konnte es nicht über das Herz bringen, Dir, die Du jetzt in die große Welt, in die Du gehörſt, eingetreten und neulich gar bei Hofe vorgeſtellt biſt,— Dir, der Braut und in kurzer Zeit der Gemahlin eines eng⸗ liſchen Peers, zu ſchreiben, daß ich, Helene von Grenwitz, der Du eine ſo glorreiche Zukunft prophezeiteſt,— vorläufig wiever erſt ein⸗ mal in Penſion zurückgeſchickt bin; in Penſion geſchickt wie ein un⸗ gezogenes Kind, in Penſion geſchickt wie ein Gänschen vom Lande! — Du ſtaunſt, Du lächelſt ungläubig; Du lispelſt ein:'t is im- Possible! und wenn Du dann endlich meinen wiederholten Verſiche⸗ rungen Glauben ſchenken mußt, ſo faſſeſt Du mich bei beiden Händen und rufſt: aber, for God's sake, was heißt dies? warum dies? und zwingſt mich, die traurige Geſchichte von Anfang an zu erzählen. Nun; ich ſehe keine Möglichkeit, dieſer Pein zu entrinnen, aber daß ich ſie abkürze, ſo viel ich vermag, wirſt Du begreiflich finden. „Alſo kurz, wenn auch nicht gut. „Das Verhältniß zu meiner Mutter, über das ich Dir im An⸗ fang ſo befriedigend ſchrieb, wurde in Folge meiner entſchiedenen Weigerung, die Gattin meines Vetters Felix zu werden, von Tag zu Tag ſchlimmer und ſchlimmer, bis der offene Bruch, den ich ſchon lange vorausgeſehen hatte, zuletzt unvermeiblich war. Ich habe mich bei der ganzen Affaire benommen, wie ich es mir und Dir ſchuldig zu fein glaubte. Es war ein heißer Kampf, das kann ich Dich ver⸗ ſichern. Meiner Mutter entgegen zu treten, erfordert Muth, und mein Vater unterſtützte mich, ſchwach wie er iſt, nur ſchwach. Nun wohl! der Kampf iſt vorüber,— die Todten ſind begraben und die Wunden fangen an zu heilen. Ja, Mary, die Todten! Mein Bruno, mein Stolz, mein Ritter ohne Furcht und Tadel, mein Bruder, mein Freund, mein vielgeliebter Bruno iſt nicht mehr! Er iſt geſtorben im Kampfe für mich und hat ſeine junge Heldenſcele in einem Kuſſe auf meine Lippen ausgehaucht. Der wilde Schmerz über ſeinen Verluſt — denn als ich ihn nicht mehr hatte, wußte ich erſt, was ich an ihm beſeſſen— machte mich ſtumpf und gleichgiltig gegen Alles und gegen Alle um mich her. Wie dieſer Knabe mich geliebt hat, kann und


