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Erſter Band. 217
„Sie Spötter,“ ſagte die Dichterin, ihn mit dem Buche, welches ſie in der Hand trug, ſanft auf den Arm ſchlagend:„was hätte denn
ich vor Anderen voraus?“
„Aber, Frau Profeſſor, es kann doch nur eine Meinung darüber ſein, daß der poetiſchſte Charakter in dem Stück auch durch den poetiſchſten Charakter in der Geſellſchaft repräſentirt werden muß; und wiederum doch auch nur darüber eine Anſicht, wer jener und wer dieſer iſt.“
„Und wer— ha! ich will einmal die kindiſche Schüchternheit überwinden— wer wäre dieſer und jener!“ fragte Primula mit ſchmelzender Stimme, die in holder Ahnung verklärten Augen zu Oswald erhebend.
„Erlauben Sie mir für einen Moment das Exemplar, das Sie da in der Hand tragen. Danke! Ich bemerke, es liegt ein Zeichen darin. Laſſen Sie uns ſehen, wo es liegt.„Dritter Aufzug. Erſte Scene. Gräfin Terzky, Thekba, Fräulein von Neubrunn. Thekla unterſtrichen. Ich danke Ihnen, Thekla!“
„Das iſt ein Zufall!“ rief die erröthende Dichterin, das Buch, welches ihr Oswald mit einer ironiſchen Verbeugung wieder überreicht hatte, an ihren keuſchen Buſen drückend.„Ich ſchwöre es Ihnen bei allen neun Muſen, daß dies ein Zufall iſt.“
„Und ich ſchwöre Ihnen beim Vater Apollo ſelber und bei ſämmtlichen übrigen Olympiern dazu, daß ich an keinen Zufall glaube, höchſtens an den glücklichen, der mich heute Abend wider alles Er⸗ warten mit einer Freundin— ich darf Sie ja wohl ſo nennen?— zuſammengeführt hat.“
„Ob Sie mich ſo nennen dürfen?“ rief die Dichterin, Oswald's Arm zärtlich an ſich preſſend;„ob Sie es dürfen? O, glauben Sie mir, Stein, ich bin ſeit dem Augenblicke, als Sie den Fuß über unſere niedrige Schwelle ſetzten, Ihre Freundin geweſen; ich habe Sie ſtets in Schutz genommen, wenn proſaiſche Gemüther, die keine Ehrfurcht vor dem Großen und Schönen haben—“
Primula mußte den überſtrömenden Quell der Zärtlichkeit, welchen Oswald durch ſeine plumpe Schmeichelei ſo glücklich erſchloſſen hatte,
zurückſtauen, denn ſie langte in dieſem Augenblicke in dem Neben⸗


