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Erſter Band. 187
ihm der liebſte Punkt der Stadt und das beinahe tägliche Ziel ſeiner Spaziergänge geweſen.
Aber auch an dieſer ſonſt einzig belebten Stelle der ſeit Jahr⸗ hunderten tief ſchlafenden und höchſtens in dieſem tiefen Schlaf von früher Pracht und Herrlichkeit verworren murmelnden alten Hanſeſtadt war es heute Abend öde und todt. Hier und da ſchimmerte durch ein Cajütenfenſter ein Licht; dann und wann erſcholl von dem Verdeck eines Schiffes das Bellen eines Hundes oder der heiſere Ruf eines Matroſen— ſonſt Nacht und Schweigen überall.
Er wanderte auf dem weit in's Meer hineingebauten Damme, an welchem nach der Seeſeite zu Fahrzeug neben Fahrzeug ankerte, bis zu der äußerſten Spitze. Hier ſtand er, in dumpfes Brüten und Sinnen verſunken, lange Zeit und ſchaute mit unterſchlagenen Armen in die dichte Finſterniß hinaus, die auf dem Meere lagerte, und horchte auf das leiſe, gleichförmige Plätſchern des Waſſers, das unter ihm unaufhörlich an den Quadern des Dammes leckte und züngelte. War, was da vor ihm lag, ſein vielgeliebtes Meer, auf dem ſich ſeine Träume, ſeine Hoffnungen ſo oft mit dem Fluge der Möven gewiegt hatten? war es der dunkle Abgrund, in den ſeine Hoffnungen und Träume wie die Schätze eines geſcheiterten Schiffes auf immer unwiederbringlich verſunken waren.
Drüben, jenſeits der ſchwarzen Waſſerwüſte, lag die Inſel, ſo nah und doch ſo fern, wie die Zeit, die er dort verlebte, die kurze Spanne Zeit, die Alles umſchloß, was er von Glück und Frieden je im Leben gekannt hatte. Ein Fährbvot, das von der Inſel herüber⸗ kam, fuhr dicht an der äußerſten Spitze des Dammes, auf der er ſtand, vorüber. Er hörte das tacktmäßige Eintauchen der ſchweren Ruder in's Waſſer und das eigenthümliche dumpfe Kreiſchen, das die Reibung derſelben gegen die Pflöcke verurſacht; er hörte die ver⸗ worrenen Stimmen der nächtigen Paſſagiere; er konnte ſogar, als ſie näher kamen, einzelne Worte unterſcheiden; er glaubte den Namen Helene gehört zu haben. Vielleicht war es auch nur eine Täuſchung oder das Echo einer Stimme in ſeinem Herzen; aber es durchzuckte ihn mit ſeltſamer Gewalt und es überkam ihn auf einmal das Ver⸗


