Bofrichter Swatek verſchafft. Andere handelnde Perſonen ſind der von Jugend auf zum Geiſtlichen erzogene Don Eugen von Porta, der in Norddeutſchland aus ſeinen gläubigen Träumereien erwacht iſt und deſſen Couſine, Frau Bercht⸗ hold, eine geſchiedene Frau. Nachdem Eugen offen ſeinen Abfall vom Glauben erklärt hat, will der hohe Clerus ihn, ſeines großen Vermögens wegen, aus Gnade für Miſſionszwecke verwenden; als aber das Vermögen— anſcheinend — verloren, ſperrt man ihn auf hinterliſtige Weiſe in ein Pönitenzkloſter, aus dem er durch Frau Berchthold und ſeinen Secretär Wermuth, den ver⸗ meintlichen Dieb des Vermögens, im Grunde aber deſſen Erhalter, mit Liſt befreit wird, zum Proteſtantismus übertritt und die ihn längſt liebende, auch heimlich von ihm geliebte Couſine heirathet.— Die Erzählung iſt überreich an neuen und außergewöhnlichen Situationen und viele durchaus originelle Cha⸗ raktere, die ſcharf gezeichnet ſind, werden vor dem Leſer aufgerollt, der von Anfang bis zu Ende in gleicher Spannung erhalten bleibt. Kein Roman hat bisher in ſo pikanter Weiſe, ſo offen und nach den verſchiedenſten Seiten hin den Krebsſchaden des Kloſterlebens, die Herrſchſucht, Geldgier und Scheinheilig⸗ keit des ultramontanen Clerus dargeſtellt, als Wolframs„Verlorene Seelen.“
Von Geſchlecht zu Geſchlecht. Roman von Fanny Lewald. 1. Abth.: Der Freiherr. 3 Bde. Geh. 4 Thlr. 15 Sgr. 2. Abth.: Der Emporkömmling. 5 Bde. Geh. 6 Thlr. 22 ½2 Sgr.
Bekannt ſind die großen Vorzüge, durch welche die Verfaſſerin einen ge⸗ feierten Namen in unſerer Romanliteratur ſich erworben. Der große und klare Blick und das ſichere und ſcharfe Urtheil über die mannigfachſten Verhältniſſe, welche ſie in den Kreis ihrer Dichtungen zieht; die künſtleriſche Gliederuna und Abrundung derſelben bei den reichſten und ſpannendſten Verſchlingungen in dem Gange der Ereigniſſe; eine feine, pſychologiſch⸗wahre Charakteriſtik bei der lebensvollſten Anſchaulichkeit ſelbſt der unbedeutenderen Perſonen. Alle dieſe Vorzüge trägt im beſonderen Grade der Roman:„Von Geſchlecht zu Ge⸗ ſchlecht,“ in welchem die Dichterin ſich große und ſchwierige, aber in der be⸗ friedigendſten Weiſe gelöſte Aufgaben geſtellt hat. Es galt ihr den Uebergang zu einer neuen Culturepoche darzuſtellen. Sie führt uns ein in die ſocialen Zuſtände, in das Empfinden, Denken und Wollen des fendalen deutſchen Adels im Anfange des Jahrhunderts. Wir durchleben mit einer freiherrlichen Familie die Widerſprüche und Conflicte, in welche die Glieder derſelben in ihrem Innern, mit den veränderten Zeitverhältniſſen und unter ſich ſelbſt gerathen. Die Unhaltbarkeit der Zuſtände, welche die Träger der Adelsidee mit aller Anſtrengung ſicher zu ſtellen ſuchen, und die Hohlheit des ſittlichen und geiſtigen Weſens, au das ſie einen ſtolzen Werth legen, entwickelt ſich Schritt wor Schritt bis zu dem von äußerer und innerer Nothwendigkeit bedingten Untergang, aus welchem das kräftigere Bürgerthum emporwächſt. Alles dies ſpiegelt ſich in dem vorliegenden Werke wieder und ſo erweitert ſich daſſelbe zu einem ganz vortrefflichen Zeitgemälde. Ueberhaupt hat Fanny Lewald in dieſem Roman ein Werk geſchaffen, welches wohl lange Zeit ſeinen Ehrenplatz in unſerer Romanliteratur behaupten wird und ihrem Namen, an welchen ſich ſchon ſo viele dankbare Erinnerungen des Leſepublikums knüpfen, einen neuen Schmuck verleiht.
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