Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Die von Hohenſtei

Verhältniß ein ungelöſter Mißklang iſt, der uns die Freude an Allem, was wir uns geweſen ſind und vielleicht noch ſein könnten, vergällt. Das muß zur Sprache kommen, und, je früher es zur Sprache kommt, deſto beſſer für Dich und mich. Ich habe das Elend eines un⸗ harmoniſchen Verhältniſſes zu tief empfunden, als daß ich den Leicht⸗ ſinn haben könnte, ein Verhältniß, deſſen Einklang nicht vollkommen iſt, über den Augenblick hinaus, wo ich zu dieſer Erkenntniß gekommen bin, fortzuſetzen. Und wenn ich es auch wollte, Antonie, ich ver⸗ möchte es nicht, denn ich kann nicht lügen. Wie ich denke und fühle, muß ich ſprechen und handeln, oder ich bin der elendeſte und unglücklichſte der Menſchen. Ich habe Dir, als Du nach der Reſi⸗ denz kamſt, geſagt, daß ich mich über Dein Kommen nicht freuen könne. Ein Herz, wie das Deine, wolle eine andere Liebe, als ich noch zu gewähren habe. Du haſt mir durch die That geantwortet; Du haſt Dich in den Wirbel des politiſchen Lebens geſtürzt; Dein Salon war der Sammelplatz aller Koryphäen unſerer Partei, und ſehr ſcharfſinnige Männer haben ſich durch den Schein des Enthuſias⸗ mus, mit welchem Du auf unſre Ideen eingingſt, durch den Glanz Deiner Rede blenden laſſen. Ich aber kannte Dich beſſer, als Jene; ich wußte, daß Du in dem tiefſten Grunde Deiner ſtolzen Seele die Sache, für die wir kämpfen, verachteteſt, und daß Du nach dem ganzen Gange Deiner Bildung und in Folge einer verhängnißvollen Eigenthümlichkeit Deiner Natur, die Dir, bei der ſchärfſten Erfaſſung des Individuellen, das Verſtändniß und mit dem Verſtändniß die Leidenſchaft für die Idee verſchließt, auch gar nicht anders konnteſt. Ein Anderer hätte ſich vielleicht das Opfer, daß Du ſeiner Eitelkeit brachteſt, gern gefallen laſſen, aber ich kann die Perſon von der Sache, die Sache von der Perſon nicht trennen. Könnte mir das Individuum genügen, das in ſtolzer Selbſtgenügſamkeit auf dem Reichthum ſeiner Naturbegabung ruht ich würde mich vor Dir und nur vor Dir niederwerfen, denn Du weißt, wie Alles was in mir von jenem ſelbſtiſchen Trotz noch nicht gebrochen iſt, mich gewalt⸗ ſam zu Dir zieht, mir in Deinen ſchönen Augen die Herrlichkeit der Himmel zeigt, und mich in Deinen Armen die Seligkeit der Götter träumen läßt.